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Marzellkamm - Similaun

(2800-3149m /3606m) 21.07.2008
Der Similaun ist bei gutem Wetter ein relativ leichter (entsprechende Kondition vorausgesetzt) Gletscherberg. Der etwas ausgesetzte Gipfelbereich lässt eine Hochtour hinauf dennoch spannend werden. Hochtourenerfahrung sollte vorhanden sein, auch wenn der Gletscher nur wenige Spalten aufweist. Im Aufstieg ist die Route über den Marzellkamm anstrengender, dafür aber deutlich abwechslungsreicher als die Route über die Similaunhütte.

Der Similaun und davor der Marzellkamm
Similaun uind Marzellkamm

 

Ausgangspunkt: 
Martin Busch Hütte (2.501 m)

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Routenverlauf: 
Martin Busch Hütte - Marzellkamm - Niederjochferner - Similaun - Niederjochferner - Similaun Hütte

ca. 7 Std.
Tourenbeschreibung:

Obwohl die Wetteraussichten für diesen Tag nicht so toll sind, ziehen wir dennoch, nach einem kurzen Frühstück, gegen 07:40 Uhr von der Martin-Busch-Hütte zunächst in südlicher Richtung los. In der Hoffung, dass das Wetter hält, queren wir den Niederjochbach und gehen auf der anderen Seite leicht ansteigend in nördl. Richtung um den Buckel (auf Marzell) des Marzellkamms herum. Auf etwa 2600 m verzweigt sich der Pfad. Geradeaus geht es hinauf über den Marzellferner zur Hinteren Schwärze. Nach rechts geht es in kleinen Serpentinen steil hinauf auf den Marzellkamm. Auf etwa 2800 m wird es dann etwas flacher, dafür aber unwegsamer. Das Wetter scheint den Vorhersagen nicht ganz folgen zu wollen und zu unserem Glück wird es immer besser. Die Wolkenschwaden, die zu Beginn der Tour die Sicht immer wieder trübten, haben sich nun vollständig verzogen. Und so haben wir den Blick völlig frei auf unser heutiges Tagesziel, den Similaun. In leichtem Auf und Ab führen uns ein bis zum trigonometrischen Punkt bestens markierter Pfad bzw. eindeutige Trittspuren bis hinauf auf 3149 m. Nach diesem Punkt geht es noch einmal in eine etwa 50 m tiefe Scharte und ab da verschwinden die Markierungen allmählich. Trittspuren sind auf dem groben Geröll auch nicht wirklich auszumachen. Ein paar Steinmandl hier und da weisen nur grob die Richtung. Bei schlechter Sicht durch Nebel, Wolken oder Schneefall könnte es hier etwas heikel werden. Doch schnell haben wir die richtige Richtung gefunden und stehen gegen halb elf Uhr bei strahlendem Sonnenschein und einem eisigen Nordwestwind am Rand des Niederjochferners. Hier gönnen wir uns zunächst eine ausgiebige Brotzeit, bevor wir unser Gerödel (Gurtzeug, Steigeisen, Seil) anlegen. Fast eine Stunde Pause genehmigen wir uns, doch als die nächste Gruppe, die wir vor einer ¾ Stunde überholt hatten, ankommt, wollen wir dann doch losziehen. Also noch fix in das Seil eingebunden, ordentlich ein paar Bremsknoten geknüpft und schon geht es los, hinauf in Richtung Similaun über die Nordostseite des Niederjochferners. Trotz der späten Stunde ist der Schnee noch erstaunlich fest sodass wir wir zügig vorankommen. Ohne Probleme erreichen wir das "Materialdepot", eine kleine Mulde unterhalb des Gipfels auf etwa 3500m. Dort genehmigen wir uns noch einen Müsliriegel und einen kräftigen Schluck Tee, bevor es weiter über eine etwas steilere Felsstufe geht. Danach folgen wir der Firnschneide hinauf zum Gipfelkreuz. Nachdem wir heute zum zweiten Mal auf dem Similaun stehen und diesmal richtig Glück mit dem Wetter haben (beim ersten Mal konnte man kaum die Hand vor den Augen erkennen), genießen wir kurz die phantastische Rundumsicht auf dem Gipfel. Durch den kalten Wind ist es aber nicht wirklich gemütlich hier oben und so steigen wir nach kaum 15 Minuten wieder ab.
Es geht zurück über die Firnschneide und die Felsstufe zum "Materialdepot", wo wir noch einmal gut 45 Minuten Pause machen, bevor wir über den Gletscher hinab zur Similaunhütte absteigen.
Knapp acht Stunden nach Verlassen der Martin-Busch-Hütte erreichen wir die Similaunhütte. Dort besorgen wir uns zunächst unsere Schlafplätze (!keine AV-Hütte, Lager p.P. € 17,--) und genießen danach einen super leckeren Cappuccino. Nach so einer Tour schmeckt der auf 3019 m besonders gut! Das Essen auf der Hütte ist relativ gut, jedoch ist der Preis für eine Portion Spaghetti mit € 15,-- übertrieben hoch - das waren sie sicherlich nicht wert! Da nirgends Preise ausgehängt sind, bekommt man die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes erst zum Schluss!
Die Hütte ist bumsvoll und unsere Kojen sind in einem der 18er Lager. Die Luft darin, besser das Gasgemisch mit Restsauerstoffgehalt, war (wie meist in solchen Lagern...) zum Schneiden dick. Selbst zwei geöffnete Fenster konnten nicht wirklich Abhilfe schaffen. So wurde diese Nacht zur richtigen Tortour, an Schlaf war kaum zu denken.
Die Besteigung des Similaun über den Marzellkamm ist für uns deutlich schöner und abwechslungsreicher, aber auch etwas schwieriger als die Route direkt von der Similaunhütte. Trägt man doch alles, was man im Rucksack dabei hat, mit auf den Gipfel.


Am folgenden Tag steigen wir, wegen des zunehmend schlechter werdenden Wetters, nach Vent ab. Eigentlich wollten wir noch die Fineilspitze mitnehmen, wenn wir schon da sind, doch bei Minustemperaturen, eisigem und sehr starkem Wind sowie leichtem Schneefall wäre das ein sinnloses Unternehmen geworden. Der Weg zurück nach Vent führt uns, unterhalb des alten Zollhäuschens vorbei, wieder zur Martin-Busch-Hütte. Hier machen wir noch einmal kurz Pause und wärmen uns ein wenig bei einer Speckknödelsuppe auf, bevor wir den Fahrweg zurück nach Vent unter unsere Bergstiefel nehmen. Schade, dass das Wetter nicht mitspielte.

Blick über den Marzellkamm
Simelaun

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Schwierigkeit
- wenig schwierige Hochtour
- gute Kondition
- Gletscherspalten

Ausrüstung: 
- steigeisenfeste Bergschuhe
- Steigeisen und Anti-Stollen-Platten
- Hochtourenausrüstung inkl. Klettergurt, Eispickel, Repschnüre in versch. Längen,
Bandschlingen, Karabiner, evtl. Eisschraube, Bergseil

Beste Jahreszeit:
Juli bis Ende September

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