Kilimandscharo / Kilimanjaro

(5895 m) 09.09. - 18.09.2010
7 Tage auf der Marangu-Route

Reisedauer insgesamt 9 Tage, davon 7 Tage auf der Marangu-Route am Berg (2 Tage für die Akklimatisation) - Übernachtung in sehr einfachen Hütten

Tag 1 - Die Anreise
Tag 2 - Marangu Gate - Mandara Hut
Tag 3 - Mandara Hut - Maundi Krater - Mandara Hut
Tag 4 - Mandara Hut - Horombo Hut
Tag 5 - Horombo Hut - Zebrafelsen - Horombo Hut
Tag 6 - Horombo Hut - Kibo Hut
Tag 7 - Kibo Hut - Gillmanspoint - Uhuru Peak - Horombo Hut
Tag 8 - Horombo Hut - Marangu Gate
Tag 9 - Die Rückreise

Übersichtskarte zur Tour  und  Höhenprofil zur Gesamttour 

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183 Bilder der gesamten Tour



Tag 1 - Anreise:

Start ist am 08.09.2010 in Frankfurt. Mit dem Flieger geht es mit dem Nachtflug um 23:15 nach Addis Abeba und von dort weiter zum Kilimanjaro International Airport (KIA) in Tansania. So war der Plan, doch unsere Airline hat Kilimandscharo - Regenwaldkurzerhand einen Zwischenstopp in Nairobi eingeplant. Manchmal wird auch über Dar es Salaam geflogen, je nachdem, wohin mehr Menschen wollen. Da wir in Nairobi nicht aussteigen mussten, war die Verspätung mit etwa einer Stunde noch zu ertragen. Am KIA kommen wir dann gegen 15:00 an. Nach Erledigung der Einreiseformalitäten (Impfpasskontrolle und Touristenvisum) geht es weiter nach Arusha in die Pamoja Expedition Lodge. Die Inhaberin von Africa Safari Experts, unserem Reiseveranstalter, erwartet uns schon und bringt uns in einer guten Stunde und einer abenteuerlichen Fahrt in einem Mini-Van in die etwa 55 km entfernte Unterkunft.
Für den ersten Tag steht nun nach der langen Anreise nur noch Ausruhen und eine erste Vorbesprechung mit unserem Tour Operator von Africa Safari Experts und Julius, unserem Guide, für die kommenden Tage an. Dabei werden der Tourenverlauf, Gefahren, Unterkünfte und die Ausrüstung sowie ein grober Zeitplan besprochen.



Tag 2 - Marangu Gate - Mandara Hut (Bismarckhütte) 2743 m, ca. 3 Std. Top

Nach einem einfachen, aber ausreichenden Frühstück in der Lodge sollte es um 08:00 Uhr mit dem "Dalladalla" (Kleinbus, der als eine Sammeltaxi genutzt wird) nach Moshi und weiter nach Marangu zum Park Gate gehen. Gegen 09:00 Uhr ist der Fahrer dann auch endlich da, und die nächste abenteuerliche Fahrt beginnt. Etwa 3 Stunden später kommen wir dann in Marangu am Park Gate an, wo die letzten Vorbereitungen getroffen werden (Verteilung der Ausrüstung auf die Träger, Registrierung am Park Gate). Wir bekommen unsere Lunchbox und Zeit zum Mittagessen. In einer offenen Hütte lässt man uns erst einmal alleine essen, während das Team in Ruhe alles zusammenpackt. Doch Achtung: Während wir unsere Sandwiches verdrücken, werden wir von einigen Einheimischen umlagert, die auch gleich versuchen, uns Ausrüstungsgegenstände und dergleichen aufzuschwatzen. Auf diese Gespräche auf gar keinen Fall einlassen und ggf. den eigenen Guide holen. Dieser wird den „Kollegen“ dann schon das „Richtige“ sagen, und man kann ungestört Weiteressen.
Um kurz vor zwei geht es dann endlich nach einer weiteren Registrierung am kleinen Häuschen nach der Rezeption (hier hat es sogar mit MPs bewaffnete Ranger) los. Das bis dahin schon oft gehörte Polepole (langsam) und der darin liegende Sinn wird uns nochmals eindeutig erklärt (langsamer Aufstieg = bessere Adaption = bessere Chancen auf den Gipfel).
Zunächst ziehen wir über einen breiten und bestens angelegten Weg etwas oberhalb des Gates in Richtung RegenwaldRegenwald und den Mandara Huts. Nach Verlassen des Gategeländes geht es immer dem Weg und den wenigen eindeutigen Wegweisern folgend mäßig steigend hinein in den immer dunkler werdenden Regenwald. Wer hier nun die Augen offen hält kann im Dunkel des dichten Waldes das ein oder andere Tier (Affen, Chamäleons, Eidechsen usw.) sehen. Auf der Brücke, mittels derer wir bereits kurz nach dem Gate Park eine kleine Schlucht queren, versucht man uns erneut Ausrüstung und Souvenirs (Gamaschen, Hüte, T-Shirts, Kettchen, die tansanische Flagge u. Ä.) zu verkaufen. Wenig später treffen wir auf ein paar Kinder, die ebenfalls ihre Dinge an den Mann/Frau bringen wollen. Die Kids haben auf einem kleinen Ast ein Chamäleon dabei und fordern uns auf, es zu fotografieren – knipst man es, wollen sie dann dafür einen US$!
Nach etwa 100 Hm machen die für diese Jahreszeit typischen tiefhängenden Wolken den Blick in das satte Grün des Regenwaldes noch undurchdringlicher und gespenstischer. Durch den langsamen Schritt, den wir gehen, habenwir genügend Zeit, uns den Regenwald in Ruhe anzuschauen und die ungewohnte Atmosphäre zu genießen.
Gegen 17:00 Uhr sind wir dann an den Mandara Huts, wo wir nach der Registrierung unser erstes, recht feuchtes Lager in dem großen Haus beziehen. Die kleineren Hüttchen sind leider alle belegt. Zusammen mit 6 weiteren Trekkern aus Polen und Russland richten wir unser Nachtlager her, bevor wir zum ersten Mal frisches gesalzenes Popcorn und heißen Tee in der Dinning Hall serviert bekommen. Kaum eine Stunde später geht es mit einem üppigen Nachtmahl weiter (Suppe, Hauptgang, Dessert). Mit vollem Bauch geht es bereits gegen 20:30 Uhr ab in den Schlafsack.

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Tag 3 - Mandara Hut - in Richtung Horombo Huts - Maundi Krater - Mandara Hut ca. 3200 m, ca. 3 Std., 1. AkklimatisationstagTop

Nach einer unruhigen Nacht, alle halbe Stunde rennt einer auf’s WC, um die Unmengen an Tee wieder loszuwerden, starten wir mit einem kräftigen Frühstück (warme Haferschleimsuppe, Brot, Rührei, Marmelade usw.) in den Tag. Heute können wir uns Zeit lassen, da wir nur einige hundert Maundi KraterHm machen wollen, um unseren Körper besser an die Höhe anzupassen. Bevor es losgeht, ziehen wir aus dem großen, feuchten und ungemütlichen Haus aus und bekommen, dank unseres Guides Julius, eine der kleinen Hütten zugewiesen. Diese sind deutlich trockener und viel gemütlicher als das Zehnerzimmer.
Nach dem Umzug nehmen wir den Weg in Richtung Horombo Hütte und tauchen wieder für kurze Zeit in den Regenwald ein. Tief im Wald kann man die Schreie der Affen hören, zu sehen bekommen wir sie aber noch nicht. Langsam lichtet sich der Wald, die Bäume werden niedriger und die Zahl der riesigen Erikazeen nimmt stetig zu. Von oben kommt uns ein ganzer Trupp Träger mit einem der mobilen Rettungswagen entgegen. Sie bringen eiligen Schrittes eine Bergsteigerin, welche die Höhenkrankheit (AMS -Acute Mountain Sickness) voll erwischt hat, hinunter ins Tal. Wir fragen uns jedoch, was schlimmer ist, die AMS oder der Abtransport auf dieser einrädrigen Trage über den holprigen Weg.
Leicht ansteigend und immer auf gutem Weg geht es durch das ausgetrocknete Hochlandmoor bis auf etwa 3.000 m. Hier oben ist es nicht mehr ganz so kalt wie in der im Regenwald hängenden Wolkenschicht, doch so richtig will sich die Sonne nicht zeigen. Die Aussicht ist auf etwa 100-200 Meter begrenzt. Dennoch ist diese Landschaft beeindruckend. Nach einer kurzen Rast geht es wieder auf selbem Weg zurück bis zu der kleinen Wegegabelung nach einem Brücklein. Dort gehen wir links weiter und kurz hinauf zum Maundi Krater. Da uns die Zeit nicht drängt, umrunden wir den kleinen Krater und können einen Blick durch die Wolken in Richtung Kenia nehmen. Danach gehen wir wieder zurück zu den Mandara Huts.
Dort angekommen gibt es wieder Tee und Popcorn. Bis zum Abendessen steht nur noch Relaxen an. Das unfreundliche, neblige und kalte Wetter an den Hütten lädt auch nicht wirklich zu weiteren Aktivitäten in der nächsten Umgebung ein. Zumal man sich eh nur mit Führer auf dem Weg bewegen darf. Also ab in den Schlafsack und ausruhen bis zum Abendessen. Danach sitzen wir noch ein wenig in der "Dinning Hall" und ratschen, bevor wir uns erneut in den Schlafsack verkriechen.

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Tag 4 - Mandara Hut - Horombo Hut (Petershütte) 3720 m, ca. 6 Std. Top

Zu zweit auf einer 4er-Hütte schläft es sich schon viel besser als in der ersten Nacht. Zeitig geht es heute, nach einem kräftigen Frühstück, auf bekanntem Weg in Richtung Horombo Huts. Heute ist es nicht mehr so neblig/wolkig und auch nicht so kalt wie tags zuvor. Schon bald kann man die Jacke ablegen, und die Sonne zeigt einem trotz der immer noch über uns hängenden Wolken, wie schön warm es auf 2900 m sein kann. Wir kommen wieder an unserem Umkehrpunkt vom Vortag vorbei, ziehen aber einfach von der grandiosen Landschaft des Hochlandmoors beeindruckt weiter. Gelegentlich kann man einen Blick durch die aufreißenden Wolken auf den Mawenzi und den Kibo erhaschen. Erst auf etwa 3100 m bleiben die Wolken dann unter uns, und der Blick auf unser Tourenziel ist nun frei. Man kann deutlich die Gletscher am Kibo erkennen, und wir freuen uns, auch bald dort oben stehen zu können. Auch heute kommen immer wieder kleine und größere Gruppen (Touristen, Träger usw.) von oben herunter. Am breiten Grinsen sind die, die den Gipfel bestiegen haben, eindeutig zu erkennen . . . etwas ausgepowert sehen aber doch alle aus. Man grüßt sich hier am Berg mit dem typischen Jambo (Hallo). Jambo und Polepole (langsam) sind wohl die am häufigsten genannten Worte am Kilimandscharo.
Auf etwa 3400 m erreichen wir dann einen Rastplatz und gönnen uns unser Lunchpacket. Unser Koch hat Sandwiches, Hühnchen, Obst, Kekse und einen Saft eingepackt - es schmeckt mal wieder hervorragend. Nach der Pause geht es dann weiter auf dem breiten und staubigen Weg in Richtung Horombo Huts.
Nach insgesamt 6 ¼ Std. erreichen wir dann auf 4700 m die Horombo Huts (Petershütten). Horombo HutsVöllig staubig beziehen wir nach erfolgter Registrierung die uns zugewiesene Unterkunft. Unser Assistant Guide bringt uns zwei Schüsseln warmes Wasser, sodass wir uns ein wenig waschen können. Den Komfort, wie er auf den meisten Alpenhütten zu finden ist, sucht man hier vergebens.
Es folgt, fast einem Ritual gleich, wieder Popcorn und Tee, bevor es vor dem Abendessen noch mal zum Ausruhen ab in den Schlafsack geht. In der Sonne ist es angenehm warm, doch sobald man sich im Schatten aufhält, wird es richtig frisch. Wir sind gespannt, welche Temperaturen uns in den nächsten Tagen, vor allem in der Gipfelnacht, erwarten.
An den Horombo Huts treffen die auf- und absteigenden Gruppen aufeinander. So ist es nicht verwunderlich, dass es hier richtig voll ist und umtriebig zugeht. Alle Hütten (dank Julius  haben wir wieder eine Hütte für uns alleine) und auch die Zeltstellplätze sind voll belegt. Als langsam die Sonne untergeht, machen wir noch ein paar Bilder und genießen danach wieder unser üppiges Abendmahl. Dabei haben wir die Möglichkeit, uns ein wenig mit den anderen Bergsteigern auszutauschen. Meist geht das nur auf Englisch, da hier am Berg sehr viele verschiedene Nationen vertreten sind. Nach dem Abendessen geht es dann wieder ab in den Schlafsack.

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Tag 5 - Horombo Hut - Zebrafelsen - Horombo Hut 4150 m, ca. 3 Std., 2. Akklimatisationstag Top

Heute können wir ein wenig ausschlafen, doch der Trubel von denen, die heute weiter zur Kibo Hut gehen bzw. zum Gate absteigen, ist enorm. So liegen wir einfach nur faul in unseren Schlafsäcken und warten auf das Zeichen zum Frühstück.
Nach dem Frühstück starten wir um kurz vor zehn Uhr und folgen zunächst dem Weg in Richtung Kibo Huts. Nach etwa 200 Metern gabelt sich der Weg in den so genannten Lower-Trial und Upper-Trial. Beide führen zur Kibo Hut und treffen auf etwa 4450 m wieder zusammen. Heute nehmen wir den etwas steileren, aber immer noch angenehm zu gehenden Upper-Trial, der uns direkt zu den Zebrafelsen führt. Entlang des Weges stehen immer wieder Riesenlobelien, dort wo es feucht genug ist, auch riesige Senecien. Langsamen Schrittes ziehen wir so in Zebrarocks am Kilimandscharoetwa einer Stunde vom Camp hinauf zu den Zebrafelsen auf ca. 4000 m, verlassen dort den Upper-Trial und queren nach links unter den Zebrafelsen hindurch. Hier nehmen wir den steilen Aufschwung, um auf den Bergrücken zu gelangen (ca. 4100 m). Der Upper-Trial führt weiter bergan hinauf auf den Mawenzi Sattel und weiter zu den Jiwe la Bugoyo Felsen - Treffpunkt von Upper-Trial und Lower-Trial an einem Rastplatz.
Auf dem Bergrücken oberhalb der Zebrafelsen hat man einen herrlichen Ausblick auf den Kibo, den Mawenzi und auch auf den etwa 70 km entfernten Mount Meru. Nach einer etwas längeren Rast geht es durch felsdurchsetztes, mäßig steiles Gelände hinunter auf den Lower-Trial und auf diesem zurück zu den Horombo Huts. Dort erwartet uns ein deftiger Lunch und jede Menge Zeit zum Entspannen. Gegen 16:00 Uhr gibt es wieder das gewohnte Popcorn und bereits um 17:00 Uhr das Abendessen, denn morgen soll es zeitig losgehen (so wie bei den anderen heute).

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Tag 6 - Horombo Hut - Kibo Hut 4730 m, ca. 5 Std. Top

Nach einer kalten Nacht starten wir kurz nach acht unseren Aufstieg über den Lower-Trial hinauf zu den Kibo Huts. Obwohl wir langsamer denn je unterwegs sind, heißt es immer wieder Polepole (langsam). Erneut führt der Weg vorbei an vielen Riesenlobelien und großen Senecien und bringt uns zunächst bis hinauf auf etwa 4.150 m an den unteren Rastplatz beim Last Water Point. Von da an wird die Vegetation immer spärlicher, nur noch kniehohe Strohblumen und eine Art Grasbüschel wachsen in dieser Höhe, bis uns schlussendlich nur noch eine Steinwüste umgibt. Auf dem Weg zu der Kibo HutStaubig und sehr trocken. Bei bestem Wetter gehen wir nun hoch über den Wolken weiter zum nächsten Rastplatz auf etwa 4450m bei den Jiwe la Bugoyo Felsen. Hier gönnen wir uns unser Lunchpacket und genießen die herrliche Aussicht auf den Kibo zur einen und den Mawenzi zur anderen Seite. Durch die zunehmende Höhe und die dünner werdende Luft machen sich die ersten leichten Kopfschmerzen bemerkbar. Also in Ruhe etwas essen und trinken, trinken, trinken!
Nach etwa 40 Minuten gehen wir dem breiten Weg und den vielen Trägern (die uns teilweise recht zügig überholen) folgend weiter in Richtung Kibo Hut. Die in der Sonne silber glänzenden Dächer der beiden großen Hütten sind bereits deutlich zu erkennen, und so nehmen wir die letzten Höhenmeter langsamen Schrittes in Angriff. An der Hütte angekommen folgt das immer gleiche Prozedere des Eintragens in das Hüttenbuch. Danach bekommen wir unser Zimmer zugewiesen, das wir uns mit 8 weiteren Personen teilen. Zwei Betten bleiben frei, was allen ein wenig mehr Raum lässt. Heute haben wir mal wieder die Gelegenheit, richtig viel Deutsch zu sprechen, denn neben zwei Schwestern aus NRW ist auch noch ein Hannoveraner unter den Gipfelaspiranten. Ansonsten wird wie immer mit jedem geratscht, denn alle, die hier oben sind, haben doch nur ein Thema und ein Ziel – den Kibo zu besteigen.
Es folgt die übliche Popcorn- und Essensorgie. Doch heute findet das alles sehr früh statt, da wir die Nachtruhe bereits ab 18:00 Uhr einhalten sollen. Der jüngeren der beiden Schwestern geht es nicht besonders gut. Sie kämpft mit Übelkeit und denkt darüber nach, nicht weiter aufzusteigen. Doch nachdem sie ein wenig gegessen und eine Büchse Cola getrunken hat, kommt sie langsam wieder auf die Beine.
18:00 Uhr, die Sonnen geht gerade unter, und alle liegen bereits im Bett. Doch die Höhe und das viele Trinken lassen einen nicht wirklich in einen tiefen Schlaf fallen, da immer wieder jemand in Richtung Toilette muss. Was bedeutet, man muss sich erst einmal warm anziehen, bevor es nach draußen zu den WCs geht. Die Temperatur dürfte bei etwa -5°C und darunter liegen.

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Tag 7 - Kibo Hut - Gillmanspoint - Uhuru Peak - Horombo Hut 5681 m / 5895 m / 3720 m, ca. 12 ½ Std.Top

22:30 Uhr, und die ersten werden durch ihre Guides geweckt. Kaum zwanzig Minuten später sind auch wir dran. Also raus aus dem Schlafsack und rein in die warmen Klamotten. Das Zusammenpacken der Ausrüstung wird heute erst nach der Rückkehr vom Gipfel erledigt. Bevor es losgeht, gibt es noch schnell einen Tee und ein paar Kekse.
Es ist eiskalt (ca. -10°C), aber zum Glück fast windstill. Um 23:15 Uhr ziehen wir im Schein unserer Stirnlampen aus dem Camp in Richtung Gipfel. Mit vielen kleinen Schritten geht es langsam durch die lange, steile und schottrige Schuttreise bergan. Die Kälte kriecht immer stärker in unsere Körper, und trotz der Anstrengung wird einem nicht richtig warm. Eigentlich ist das ja auch kein Wunder, ist der Körper zu dieser Zeit eigentlich auf Schlaf und nicht auf Höchstleistung eingestellt. Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichen wir auf ca. 5300 m die Hans-Meyer-Höhle. Durch den nun zunehmenden Wind fühlt es sich noch kälter an. Immer wieder erwischen uns die leichten Böen und lassen den ganzen Körper zittern. Das Gelände wird nun etwas anspruchsvoller. Immer wieder um- und überklettern wir Felsen und mächtige Gesteinsbrocken. Auch muss man gelegentlich durch kleine schuttgefüllte Rinnen einige Meter emporsteigen. Dabei rutscht man immer wieder mal einen halben Meter zurück, was nicht wirklich einen Gehrhythmus zulässt. Die Schritte werden immer kleiner, bis sie quasi nur noch eine Schuhlänge betragen.
Blickt man zurück, sieht man außer dem Schwarz der Nacht nur die wie an einer Perlenschur aufgereihten hellen Lichter der Stirnlampen der Nachsteigenden. Durch die Dunkelheit und die sehr eingeschränkte Sicht im Lichtkegel der Stirnlampe merkt man gar nicht, wie langsam, aber stetig das erste Ziel näher kommt. Im Mondlicht lässt sich nur schwer die Silhouette des Kibo ausmachen, und so stehen wir dann irgendwann urplötzlich am Gillmans Point auf 5681 m. Trotz der Anstrengung und der Kälte des eisigen Windes startet auf einmal so etwas wie eine kleine Party. Gejohle, so etwas wie Jodeln und einfach nur laute Glücksschreie werden in den Nachthimmel gestoßen. Nach und nach kommen weitere vermummte Bergsteiger hier oben an, und jeder fällt dem anderen, ob bekannt oder unbekannt, in die Arme. Alle, die bis hierher gekommen sind, haben damit auch den Kilimandscharo bestiegen. Für einen Moment vergisst man vor lauter Freude auch die Kälte.
Doch für einige ist hier Schluss, denn der Abstieg ist auch noch mal sehr anstrengend. Diese Entscheidung braucht man aber nicht selbst zu treffen, das übernehmen die Guides für einen. Wer hier vom Guide das Signal für den Abstieg bekommt, braucht nicht zu diskutieren und hat keine Chance, weiterzugehen. Alle anderen werden mit den Guides vorbei am Bismarckturm, Kilimandscharo am Uhuru Peak auf 5.895 mStella-Point und Hans-Mayer-Point in etwa einer Stunde zum Uhuru Peak gehen.
Am Stella Point kann man sehr schön auf den Anstieg der Machame Route schauen. Man sieht deutlich, wie sich viele Bergsteiger, einer Ameisenstraße gleich, den Berg aufwärts bewegen. Langsam geht die Sonne auf, und kurz bevor wie den höchsten Punkt erreicht haben, lassen sich ein paar nette Bilder machen.
Gegen 06:15 ist dann der Uhuru Peak auf 5895 m erreicht. An den Holztafeln (Congratulations you are now at Uhuru Peak, Tanzania, 5.895 m. AMSL - Africas highest point - World´s largest free-standing Mountain - One of the world´s largest Volcanos - Welcome) ist ein riesiges Gedränge, wie beim Schlussverkauf. Jeder will noch schnell SEIN Photo haben, so als ob die Tafeln in wenigen Minuten abmontiert und verschrottet werden. Aber egal, so ist es halt, wenn zu viele Menschen zur selben Zeit am selben Ort sind.
Noch ein paar Bilder geschossen, und dann geht es auch schon wieder über die Aufstiegsroute hinab zu den Kibo Huts und damit raus aus der Eiseskälte. Auf dem Weg dorthin treffen wir noch den Kollegen aus Hannover. Er wirkt sehr ruhig und ein wenig benommen, aber er ist oben! Auch die beiden Mädels kommen uns kurz vor dem Gipfel entgegen und das zufriedene, glückliche Grinsen ist nicht zu übersehen.
Bis zum Gillmans Point geht es dann mäßig fallend in leichtem Auf und Ab dahin, danach wird es wieder mächtig steil. Etwa 100 unterhalb des Gillmans Point kann man nach links aus dem Felsenlabyrinth hinausqueren und eine lange Abfahrt über die riesige Schuttreise genießen, wenn die Kraft in den Beinen dazu noch vorhanden ist. Ansonsten folgt man einfach den Aufstiegsspuren zurück zur Hut.
Gegen 08:30 Uhr erreichen wir dann ein wenig erschöpft und müde die Kibo Huts. Bevor es weiter hinunter zu den Horombo Huts geht, können wir eineinhalb Stunden in die Betten und uns ein wenig erholen. Es fehlen doch ein paar Stunden Schlaf . . .
Um 11:00 Uhr geht es dann nach einem kleinen Imbiss (frische Ananas auf 4700 m und natürlich Tee) wieder hinunter auf 3700 m. An den Horombo Huts angekommen kriechen wir direkt nach der Registrierung in unsere Schlafsäcke, lassen heute auch das übliche Popcorn und Tee ausfallen und schlafen gleich durch bis zum Abendessen. Das fällt wieder einmal sehr üppig aus, man könnte problemlos zu viert satt werden. Danach ratschen wir noch mit einigen anderen, die heute ebenfalls auf dem Gipfel waren und gehen dann wieder zeitig zurück in unser Hüttlein. Bevor wir das Licht ausknipsen, verpacken wir noch alles, was wir beim morgigen Abstieg zurück zum Gate nicht mehr benötigen.

Höhenprofil zum Aufstieg Uhuru Peak              Höhenprofil zum Abstieg Kibo Huts - Horombo Huts



Tag 8 - Horombo Hut - Marangu Gate 1870 m, ca. 6 Std.
Top

Geweckt werden wir heute bereits um 05:30 Uhr, da wir spätestens um 07:00 mit dem Abstieg beginnen wollen. Die restlichen Dinge wie Schlafsack, Isomatte und Waschzeug sind schnell verpackt. Zu dieser Zeit können wir unser Frühstück noch in Ruhe genießen. Als wir aber aufbruchsbereit sind, hat sich die Dinning Hall wieder gefüllt, wollen doch alle entweder endlich hinauf auf den Kibo oder aber hinunter und zurück zum Gate.

Gegen viertel vor sieben gehen wir dann die letzte Etappe über den trockenen staubigen Weg hinunter zu den Mandara Huts an. Heute früh ist es noch recht kalt, an den schattigen Stellen ist sogar noch der Raureif der letzten Nacht zu sehen. Doch die warme Sonne heizt uns schnell ein. Kilimandscharo - Mauri KraterNach und nach verändert sich die Vegetation wieder und wir queren erneut, diesmal in umgekehrter Richtung, das trockene Moorhochland. Auch die Erikazeen werden nach und nach wieder zu mannshohen Sträuchern, später tauchen wir erneut in den Regenwald ein. Dort ist die Luft durch die Feuchtigkeit auch etwas angenehmer ist (nicht mehr so trocken und staubig). Kurz vor den Mandara Huts können wir sogar ein paar Affen in freier Wildbahn erleben, sonst kennt man die ja nur aus dem Zoo. An den Mandara Huts angekommen machen wir eine kurze Pause, bekommen von unserem Koch etwas frisches Obst, bevor es an die Schlussetappe geht.
Von den Mandara Huts führt der bekannt gut ausgebaute Weg wieder zurück zum Marangu Park Gate. Vorbei an vielerlei Blumen, Sträuchern und gespenstisch wirkendem Urwald. Auch kommen uns heute viele kleine und zwei sehr große Gruppen entgegen. Beide etwa 20 Mann/Frau stark, und wir überlegen, wie viele Träger, Köche und Guides bei solchen Großgruppen wohl mit dabei sind. War unser 2er Team ja auch mit insgesamt 9 Mann am Berg (2 Touristen, 1 Guide, Assistant Guide, Koch und 4 Träger).
Gegen Ende der Route kommen uns auch wieder die Kinder mit dem Chamäleon entgegen und versuchen ihr Glück erneut. Als wir dann die Brücke über die kleine Schlucht erreicht haben, wissen wir, dass es sich nur noch um Minuten handeln kann. Gegen 13:30 Uhr sind wir dann zurück am Gate und das Abenteuer Kilimandscharo ist erfolgreich und gesund bestanden. Auch hier heißt es wieder erst registrieren, was heute aber recht flott vonstatten geht, da wir eine der ersten Gruppen sind, die hier angekommen ist und die Aufstiegskarawane für heute bereits unterwegs ist. Die Ausstellung der Urkunde für die Besteigung hat Julius bereits vorab erledigt, sodass uns diese Wartezeit von etwa einer Stunde erspart geblieben ist.
Eine herrliche Berg- und Trekkingtour, die auf ihre ganz eigene Art begeistert, geht zu Ende. Für uns hat es sich wirklich gelohnt, diese Erfahrung mitzunehmen.

Bevor wir jedoch zurück in die Pamoja Expedition Lodge in Arusha fahren, gehen wir noch mit unseren Team auf ein Bier in eine der Bars direkt nach dem Parkeingang und stoßen auf die erfolgreiche Besteigung des Kilimandscharo an. Danach geht es über Moshi zurück nach Arusha in die Lodge. Dort gibt es erstmal eine heiße Dusche. Danach heißt es auch schon wieder: Alles zusammenpacken für den Rückflug. Dieser wurde mal eben so um eine Stunde vorverlegt und um die Zwischenstation Dar es Salaam erweitert. Gegen 20:00 Uhr gönnen wir uns noch ein Abendessen in der Lodge mit einem Teil unseres Teams, bekommen die Besteigungsurkunden von Julius überreicht, und dann ist der Afrikatrip auch schon fast vorbei.



Tag 9 - Rückreise:

Es ist alles gepackt, und um 23:00 Uhr Ortszeit geht es dann los. Zunächst wieder zum etwa 55 km entfernt gelegenen Kilimanjaro International Airport, der mitten in der Steppe zwischen Arusha und Moshi liegt. Von dort geht es um 02:15 Uhr nach Dar es Salaam, um zusätzliche Passagiere aufzunehmen und weiter nach Addis Abeba. Nach einem etwa 3-stündigen Aufenthalt in Addis Abeba starten wir dann pünktlich um 10:00 Uhr den Weiterflug. Gegen 16:30 Uhr landen wir Frankfurt - eine tolle Reise mit vielen neuen Eindrücken ist zu Ende.
Nun steht nur noch für jeden von uns die Fahrt nach Hause (Zeil und München) an. Gegen 20:00 bzw. 23:00 sind wir dann beide happy, gesund und sehr müde zu Hause angekommen. Diese Reise zum höchsten Berg in Afrika hat sich wirklich gelohnt und ist für uns ein besonderes Erlebnis.

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