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Galgenstangenkopf, Fermerskopf, Bayerkarspitze,
Dreierspitze, Krapfenkarspitze und Gumpenkarspitze

(1807m, 1851 m, 1908 m, 1962 m, 2110 m, 2010 m) 01.07.2018
Heute wandern wir auf einer meist einsamen und nicht so stark frequentierten Tour über den Gipfelkamm vom Galgenstangenkopf zur Gumpenkarspitze. Dabei überschreiten wir insgesamt 6 Gipfel und legen auch eine ordentliche Wegstrecke von rund 25 Km zurück. Belohnt wird man unterwegs mit herrlichen Blicken ins Karwendel und mit einer sehr abwechslungsreichen Strecke. Sogar leichte Klettereien an wenigen Stellen ist gefordert und so ist diese Tour nur dem trittsicherem und schwindelfreiem Wanderer zu empfehlen. Dreierspitze und Krapfenkarspitze
Dreierspitze und Krapfenkarspitze
Ausgangspunkt: 
Risstal
Parkplatz bei des Oswaldhütte
( ca. 850 m)
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Routenverlauf:
Parkplatz - Rißbachquerung - Paindlalm - Grafenherberge - Galgenstangenkopf - Fermerskopf - Baierkarspitze - Dreierspitze - Punkt 1983 - Krapfenkarspitze - Gumpenkarspitze - Jägersruh - Abzweig auf ca. 1730 m - Unterstand 1480 m - Dreiergraben- Markgraben - Kleiner Gußgraben - Großer Gußgraben - Kopfgraben - Wandgraben - Paindlalm - Rißbachquerung - Parkplatz

ca. 10 ¼ Std.
Tourenbeschreibung

Da der kleine Parkplatz nahe der Einfahrt in den Forstweg hinauf zur Paindlalm durch Bauschutt versperrt ist, stellen wir unseren Wagen nicht in die Einfahrt (hier werden wohl, gelegentlich Tickets verteilt) des Weges, sonder fahren an der Oswaldhütte vorbei auf den nächsten Wanderparkplatz.
Los geht es dann um viertel vor neun etwas oberhalb der Oswaldhütte. Zunächst wandern wir einfach nur an der Straße entlang zurück zum Abzweig, wo wir zuvor überlegt hatten das Auto zu parken. Der manchmal noch beschriebene Weg über den Rissbach nahe des Rissbachwehrs sollte man nicht mehr gehen. Er ist durch die starke Bodenerrosion am gegenüberliegenden Hang sowieso nicht mehr vorhanden. An der Einmündung angekommen halten wir uns links und biegen auf die Forststraße ein. Queren kurz darauf eine Brücke über den Rissbach und halten uns an der ersten Verzweigung erneut links. Etwa 500 Meter später führt ein kleinerer Weg in den Wald nach rechts, den wir jedoch ignorieren. An der Kreuzung auf ca. 965 m wandern wir rechtshaltend weiter, bis das Schild Privat von der Paindlalm den Weiterweg versperrt. Hier nun nach links auf eine Weide und bevor es wieder in den Wald hinein geht nach rechts einem Holzweg folgend steiler bergan. Dort, wo der Weg wieder flacher ansteigt muss man die Augen aufhalten. Bevor das Weglein, das nach etwa 300 Metern endet, in den Wald hineinführt, geht vor einem kleinen Graben ein kaum sichtbarer Pfad nach rechts in vielen Serpentinen steil durch den Bergwald empor. (Wer mit der Orientierung seine Schwierigkeiten hat, der kann, dort wo wir zuvor auf den Holzweg eingebogen sind, einfach geradeaus weiter wandern und gelangt wesentlich einfacher auch hinauf.) Stellenweise tritt der Pfad deutlich aus dem Waldboden und den Gräsern hervor, stellenweise muss man auch mal genauer schauen, wie es denn nun weiter geht (tendenziell steigt man in Richtung Südwesten auf).
Auf etwa 1230 m treffen wir auf den deutlicheren Weg, der uns mal gemütlich mal Steil in weiteren unzähligen Serpentinen zunächst an die Grafenherberge führt. Hier gibt es wohl eine Quelle, an der man seine Wasservorräte nochmal füllen kann. Wir sind jedoch wenige Meter vor der Hütte nach rechts auf die Almwiesen eingebogen. Queren diese nun in einem weiten rechtsbogen nach Westen und erreichen bald den Latschengürtel, der uns noch eine Weile begleiten wird. Auf etwa 1640 m wandern wir dann wieder flacher durch eine breite Latschengasse dem Galgenstangenkopf entgegen. Kurz vor dem Gipfel kann man sich entscheiden einfach ein Stück unterhalb vorbei zu queren aber da das Wetter sich zusehends verschlechtert, wollen wir uns ein Bild von Oben machen. Also halten wir uns rechts, schlüpfen durch die Latschen auf einen grasigen Buckel ohne Gipfelkreuz und dort genehmigen wir uns für heute auch die erste kurze Pause.
Noch ist der nächste Gipfel, der Fermerskopf, leicht in Wolken gehüllt. Die Bayerkarspitze sowie die dahinter liegenden Berge sind überhaupt nicht zu sehen. So entscheiden wir, das wir uns von Gipfel zu Gipfel vorarbeiten und wenigsten die Bayerkarspitze "mitnehmen" wollen.
Auf dem Weg zum Fermerskopf gehen wir nicht zurück auf den Weg, der unterhalb des Galgenstangenkopf durch die Südostflanke führt, sondern zwängen uns durch die Latschen und folgen einem vor langer Zeit wohl genutzen Weg. Hier wird erneut unsere Trittsicherheit gefordert. Die Orientierung ist einfach, wir suchen einfach die schwächste Lücke und bald treffen wir wieder auf den Pfad. Kurz durch eine leichte Scharte, dann führt der Pfad durch Wiesen und vorbei an einigen Tannen und natürlich auch durch Latschen bereits hinauf auf den Fermerskopf. Auch dieser Berg hat kein Gipfelkreuz und da das Wetter noch nicht so will, wie wir es gerne hätten, machen wir nochmal eine Pause.
Die Zeit für die zweite kleine Pause hat gereicht um das Wetter ein wenig netter werden zu lassen. Zumindest sehen wir nun die Bayerkarspitze und die Dreierspitze. Die Krapfenkarspitze bleibt noch verborgen. Also weiter geht´s. Wieder wandern wir über Bergwiesen meist nahe des Kamms etwas links davon dem nächsten Gipfel entgegen. Immer wieder verschwindet der Pfad, doch der Weg bleibt meist eindeutig und so erreichen wir, bei sich weiter besserndem Wetter den Anstieg zur Bayerkarspitze. Am Gipfel angekommen passieren wir das kleine Gipfelkreuz und steigen ohne langen Aufenthalt weiter in Richtung Dreierspitze. Die ist nur 54 m höher als die Bayerkarspitze, doch zuvor geht es über den Südwestrücken hinunter auf 1800m in die Scharte zwischen den beiden Gipfeln und dann die 162 m auf den nächsten Gipfel. Nach der Scharte hält man sich am besten immer nahe am Grat. Der scheinbare Weg verläuft sich nach einer kurzen Kraxelei in der Bergwiese und die darf man dann mühsam gegen den Grat aufwärts queren. Das macht nicht so richtig Spaß. Knapp vor dem Gipfel, queren wir eine weitere kleine Scharte und je nachdem welche der Möglichkeiten man nutzt, kommt hier die erste Klettereinlage. Spätesten nach der kleinen Scharte folgt eine erste leichte Kletterei. Ein wenig gucken und dann versteigt man sich auch nicht. Die Dreierspitze hat ebenfalls kein Gipfelkreuz und aus irgendeinem Grund will hier keiner so richtig eine Pause einlegen.
Der Weiterweg verläuft wieder nahe und etwas links des Gratkamms und führt uns auf einen namenlosen Berg (Höhenpunkt 1983) und dort bieten sich die geschichteten Felsen ideal als Sitzgelegenheit an und so bekommen wir heuer auch noch eine ordentliche Brotzeit. Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Zwei Gipfel kommen noch und inzwischen hat sich das Wetter völlig verändert. Wir haben nun bestes Bergwetter, was auf unseren Bildern auch unschwer zu erkennen ist. Unsere Taktik ist diesmal also aufgegengen!
Nach einer halben Stunde brechen wir auf und folgen zunächst den Bergrücken nach Westen. Trittspuren sind rar aber der Weg durch das Schuttfeld in der Nordostflanke der Krapfenkarspitze ist aus der Ferne gut auszumachen. Einfacher und kürzer als erwartet hat man das Schuttfeld schnell hinter sich gebracht und überklettert einen ersten kurzen Aufschwung. Weiter führt ein zunächst deutlicher Bergpfad in eine Felskletterpassage. Der Pfad verliert sich, doch die Steinmandl weisen recht eindeutig den Aufstiegsweg zum Gipfelkreuz der Krapfenkarspitze. Weil es hier so schön ist und wir den Gipfel zu viert für uns alleine haben, gibt´s nochmal eine kleine Pause. Das Spiel von Sonne und Wolken schafft spektakuläre Szenarien in der wilden Berglandschaft des Karwendels. Die Aussicht ist einfach klasse!
Vor dem Abstieg geht es noch hinüber zur Gumpenkarspitze. Dafür steigen wir etwas links des Rückens nach Süden in die Scharte und in der Scharte drehen wir weiter nach rechts (westl.) auf den Kamm. Diesen überschreiten wir wandernd und kraxelnd, nochmal durchschreiten wir eine kleine Scharte und steigen die letzten 20 Höhenmeter auf den breiten flachen Gipfel der Gumpenkarspitze. Hier lassen wir uns bei bester Aussicht in die Soierngruppe (Soiernspitze, Reißende-Lahnspitze, Feldernkopf, Feldernkreuz und Schöttelkarspitze) nieder und futtern die Reste aus unseren Rucksäcken. Solche Ausblicke und diese Augenblicke - das ist der Grund warum man sich hier herauf begibt bzw. müht.
Eine knappe halbe Stunde später steigen wir auf dem nun markierten Bergpfad hinunter in die Scharte Jägersruh, dort halten wir uns links und wandern auf dem alten königlichem Reitweg nach Osten. Richtig gutwillig und gemütlich geht es nun abwärts bis wir auf 1740 m auf eine Abzweigung treffen. Den Weg haben wir von oben bereits gesehen, biegen hier scharf links ab und folgen dem Weg über eine längere Zeit. Dabei verlieren wir nur wenig an Höhe und man hat den Eindruck als wandert man fast flach dahin. Der alte Jägersteig zieht entlang der steilen Süd-Osthänge von Krapfenkar- und Dreierspitz, ist abschnittsweise verblockt und ausgesetzt aber nie wirklich schwierig. Dort wo der Pfad erneut leicht ansteigt und sich gabelt (1659 m) halten wir uns an den unteren nur schwach aus zumachenden Pfad. Verpasst man diesen Abzweig, steht man wenige Minuten später auf einem Almwiesenhang, wo der Weg dann auch endet. Dann heißt es zurück und beim Abzweig hinunter. Der Weg führt an einem umgestürzten dicken, bereits länger totem Baum vorbei. Es folgt ein fantastischer, aber anstrengender Abstieg durch einen naturbelassenen, ursprünglichen Bergwald über weichen Waldboden, querliegende Baumstämme, Wurzeln, Steine, Felsen und vielen Serpentinen bis hinunter zu einer kleinen Hütte am Fuß der Grashänge. An dieser links vorbei und vor dem Jägerstand einem geschotterten Wendeplatz.
Hier auf keinen Fall nach rechts weiterwandern, dieser Weg führt nicht zurück ins Risstal sondern zur Vereiner Alm und der Krinner-Kofler-Hütte und weiter nach Mittenwald. Wir wandern nach links (Nordwesten) über den Schotterplatz und nehmen den schmalen Bergpfad. Diesen Pfad verlassen wir nicht mehr und wandern so für die nächsten 3,2 Km abwechslungsreich, stets am Hang entlang. Dabei geht es über mehrere teilweise recht wilde Gräben mit kleinen Wasserfällen (Dreiergraben, Markgraben, Kleiner und Großer Gussgraben, Kopfergraben, Wandgraben) in nordöstlicher Richtung talaus. Freilich sammeln wir hierbei auch noch ein paar weitere Hm. An einigen Stellen ist der Pfad angesackt, einige Brücklein erfordern auch ein wenig Mut und Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit ist ebenfalls nochmal gefragt. Auf 1100 m erreichen wir eine Weggabelung und ein Wegweiser, der zum Galgenstangenkopf hinauf weist. Da waren wir heuer bereits und so wandern wir auf dem nach unten führenden Pfad weiter, treffen bald auf einen Waldweg der uns zurück an die Paindlalm bringt. Unterwegs treffen wir kurz vor der Alm auf unseren Aufstiegsweg und kurz darauf erreichen wir die Fahrstraße. Auf dieser wandern wir nun zurück zum Ausgangspunkt.
Nach insgesamt 11:18 Std. (10 Std. Gehzeit) und ~26 Km Wegstrecke beenden wir eine wirklich tolle und sehr abwechslungsreiche wenig begangene Tour.

 

 

Blick von der Gumpenkarspitze in die Soierngruppe
Beschreibung

Im Abstieg nach der Gumpenkarspitze mit Blick ins Karwendel
Beschreibung

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit:  
- lange und wenig begangene Tour 
-Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit erforderlich
- Kondition für ca. 1.775 Hm (gesamt) und etwa 26 Km 
- Orientierungs- und Wegfindungssinn
- Klettern bis 1 bis 1+

Ausrüstung: 
- Bergtourenausrüstung
- ausreichend Proviant und vor allem Getränke

Beste Jahreszeit:
Anfang Juni bis Ende Oktober 

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