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Eggerschneid, Haßlberg, Strohnkopf und Hochfelln

(1045 m, 1117 m,1462m, 1674 m) 20.12.2020

Der Hochfelln ist, auch durch die Seilbahn, die von Bergen bzw. ab Mittelstation nahe der Steinbergalm herauf führt, ein sehr beliebter Aussichtsberg in den Chiemgauer Alpen.
Wer es einsamer mag, der wandert von Ruhpolding (OT Maiergschwendt) über die Strohnschneid, ein fast sechseinhalb Kilometer langer Kamm, nach Westen hinauf zum Hochfelln. Wenige alte, teils stark verblasste Markierungen und Pfadspuren leiten über die Eggerschneid, den Haßlberg und den Strohnkopf knapp 1000 Hm in die Höhe hinauf zum Hochfelln. Fährt die Bahn nicht, ist man am Gipfel dennoch nur selten allein.
Diese abwechslungsreiche und landschaftlich sehr schöne Bergfahrt in abgeschiedener Umgebung, finden wir absolut lohnenswert. Immer wieder hat man tolle Blicke zu beiden Seiten der Strohnschneid und das macht die Unternehmung zu einem echten Erlebnis. Gelegentlich dürfen wir dabei ein wenig kraxeln, zuletzt durch ein Latschengürtel wandern und eine freie Fläche hinauf zum Gipfel queren.
Der Rückweg führt uns nicht weniger spannend über die Fellalm und die Farnbödenalm hinab nach Egg und zurück zum Ausgangspunkt der mittelschweren Rundtour.

Blick aus den Latschen der Strohnschneid
hinauf zum Hochfelln
Hochfelln von der Strohnschneid gesehen

Ausgangspunkt
Ruhpolding
Parkplatz Mühlfeld
(Am Ende der Maiergschwendter Str., ca. 704 m)

Routenverlauf
Parkplatz - Eggerschneid - Haßlberg - Strohnkopf - Hochfelln - Fellalm - Farnbödenalm - Egg - Parkplatz

ca. 5 ½ - 6 Std.
Tourenbeschreibung
Noch 4 Tage, dann ist Weihnachten, die Wetterprognose passt perfekt für eine Bergtour und so starten wir um kurz nach halb zehn am kleinen Wanderparkplatz. Die Temperaturen sind schon mal winterlich und in den schattigen Ecken hängt der Frost noch recht fest.
Vom Parkplatz wandern wir zunächst leicht ansteigend nach Süden. Vor einer Schranke (zweimal eine Möglichkeit) verlassen wir die Forststraße nach rechts auf einen Pfad weiter hinauf und nach Westen eindrehend auf den Hang hinauf. Hier beginnt bereits der lange Kamm, an dessen Ende wir nachher den Hochfelln erreichen wollen. Kurz streifen wir die Abbruchkante des alten Rupoldinger Marmorsteinbruchs, entfernen uns ein wenig, um kurz drauf nun sehr steil und das erste mal kraxelig empor zusteigen. Auf etwa 775 m treffen wir auf einen auslaufenden Forstweg und wandern diesen leicht nach rechts und abflachend weiter, bemerken jedoch schnell, dass wir uns beim Weganfang hätten nach Links orientieren müssen. Also geht es kurz an geeigneter Stelle etwas nach Süden, über etwa 10 Hm ziemlich steil und unwegsam durch Gersträuch hinauf auf den Kamm. Dort ist dann schnell die Pfadspur zu erkennen, der wir nun weiter nach rechts (westl.) folgen. Vorbei an alten Betonfundamenten wandern wir nun oberhalb des kleinen Weilers Egg weiter den Kamm empor. Dort wo die Sonne nicht hin reicht, liegt immer noch der Nachtfrost auf den Wiesen im Tal. Hier oben am Kamm, wärmt uns sogar noch die letzte Herbstsonne - morgen ist Winteranfang. Nun steilt der Kamm langsam auf und der meist noch deutlich zu erkennende alte Pfad leitet uns durch die ersten Felsen. Hier muss man dann auch schon mal zupacken und die Trittsicherheit und auch eine gewisse Schwindelfreiheit erleichtern hier den Aufstieg. Ab und zu sind noch alte rote Punkte erkennbar. Einst war diese wohl ein Wanderweg hinauf zum Hochfelln, der heute jedoch nicht mehr gepflegt und fast nicht ausgeschildert ist. An einigen markanten Stellen sind blaue Spiralen gemalt ob die den Weg zu den Kletterfelsen kennzeichnen sollen?
Nach dem kurzen, etwas ausgesetzten Aufschwung erreichen wir die unscheinbare Eggerschneid und stehen kurz darauf, vor der fast senkrecht vor uns stehenden Ostwand des Haßlberg. Nach links leitet nur ein kurzes Wegstück an einen mit Christbaumschmuck ausgestattetes Sitzeckerl hinunter. Haben sich hier Kletteret ein Platz hergerichtet? Egal, für uns geht es hier nicht weiter, also kurz zurück und nach rechts, in die Nordseite des Haßlberg. Hier auf schmalem Pfad unter dem Berg über die sehr steile und unangenehm, zu gehende, raue, erdige und an einer Stelle kraxelige Seite des Haßlbergs weiter nach Westen. Am Ende begrenzt das Walddickicht das Weiterkommen und es geht sehr steil durch eine erdige Rinne mit wenig halt hinauf auf den kleinen Gipfel. Danach stehen wir wieder eben und inmitten -von der Natur- umgelegter Bäume. Hier hat der Sturm ganze Arbeit geleistet. Man könnte noch ein paar Meter auf dem Haßlberg zurück nach Osten gehen und erreicht dann den eigentlichen Gipfel, doch den lassen wir aus, müssten wir uns hier doch durch ein Dickicht wühlen. So suchen wir grob der Kammrichtung folgend den Weg durch das Sturmholz und das bereits nachwachsenden Gestrüpp weiter hinauf. Wer hier aufmerksam den Blick hebt, kann den Hochfellngipfel bereits sehen.
Wir treffen auf einen alten Karrenweg und wandern über eine kleine Wiesenkuppe. Wir folgen dem Weg, der zunehmend durch die Forstmaschinen in Mitleidenschaft gezogen, etwa 20 Hm hinab an eine Verzweigung führt. Hier nach rechts und bereits 100 m später an die nächste Verzweigung. Hier nun nach links weiter (nach rechts leitet der Weg hinunter nach Egg - wird Teil unserer Abstiegswegs) kurz hinauf und in der Linkskehre nach Rechts (hier sollte ein Steinmandl stehen - haben wir jedoch übersehen, dennoch den Weg erkannt) auf einen kleinen Pfad. Zunächst steigt dieser noch sanft an, steilt zunehmend auf und leitet uns durch ruppiges Gelände an eine weitere steile Felswand - Poschinger Wand. Diese umgehen wir links (südlich) und nähern uns langsam der Strohnschneid. Der Pfad wird nun immer deutlicher sichtbar und wir wandern in sanftem Anstieg dem Hochfelln entgegen. Wenn es erneut steiler bergan hinauf zieht, das Gehgelände ruppiger wird, sich die Aussicht zu beiden Seiten weitet und sich der ein und andere schöne Ausblick ins Chiemgau und die Chiemgauer Berge nehmen lässt ist auch schon der kleine Gipfel des Strohnkopf mit seinem kleinen Bankerl vor dem Gipfelkreuz erreicht. Von hier wird man ebenfalls mit einem wunderschönen Blick über Ruhpolding zum Rauschberg, Zwiesel und Hochstaufen belohnt.
Nach diesem dritten Gipfel am Kamm, führt der Bergpfad nun in leichtem Auf- und Ab durch einige hohe Latschenfelder und nur mehr leicht ansteigend weiter dem Gipfel des Hochfelln entgegen. Die weithin sichtbare Seilbahnbergstation, das Hochfellnhaus und die Kapelle lassen sich nun immer wieder gut erkennen. Viele Stellen sind mit dichtem, dicken Wuzelgeflecht der Latschen bedeckt und verlangt sauberes steigen - schnell hat man sich sonst den Fuß verdreht. An an einer Stelle ist der schmale Pfad wieder felsiger und auch etwas ausgesetzter. Danach erreichen wir auf dem Steig den Wanderweg, der von der Seilbahn-Mittelstation hinauf zum Hochfelln leitet. Der Weg wird schlagartig breiter und leitet in einigen Kehren den bereits Schnee bedeckten Gipfelhang zum Gipfelkreuz des Hochfelln zwischen Hochfellnhaus und der Tabor Kapelle hinauf. Das Kreuz wurde 1886 zu Ehren König Ludwigs I. 100. Geburtstags eingeweiht.
Hier am Gipfel ist auch ohne Seilbahn einiges los, doch wir finden ein schönes Platzerl für eine ordentliche Brotzeit und ein ausgiebiges Sonnenbad. Der Ausblick vom Hochfelln ist traumhaft! Chiemsee und das Alpenvorland sind durch die Inversionswetterlage in den Wolken verschwunden. Dafür sind Blick auf Watzmann, Hochkalter und das Steinerne Meer im Osten, die Leoganger und Loferer Steinberge sowie die Zillertaler und die Kitzbüheler Alpen im Süden einfach perfekt. Im Westen schauen wir dann noch über die Kampenwand bis hinüber zum Wendelstein. So sitzt es sich in der Sonne einfach prima, doch langsam ziehen die hohen flachen Schleierwolken (Zirrostratus) die zuvor ein fast perfektes Halo bilden ließ, dichter zusammen und sofort wird es kühl. Wir schauen noch einem startendem Gleitschirmflieger zu, doch bevor uns nun kalt wird, packen wir alles wieder ein und machen uns an den Abstieg.
Hierzu wandern wir zunächst ein Stück auf dem breiten Wanderweg den Schlussanstieg hinunter und am ~1550 m an der Verzweigung nach rechts ab hinunter. Ein schmaler Pfad führt uns (Schilder) in Richtung Farnböden-Alm und Ruhpolding. Der erste Schnee ist stellenweise natürlich bei der Sonneneinstrahlung einfach dahin geflossen und so ist der Pfad durch die Wiese sehr batzig und heute entsprechend rutschig. Gelangt man dann in schattige Ecken ist der angetaute Schnee beinhart gefrohren und an einigen Stellen gibt es einfach nur blankes Eis. Entsprechend vorsichtig müssen wir uns hinab bewegen. Nicht viele, doch einige Wanderer sind hier bereits rauf/runter gegangen, so das im Schnee die Wegfindung einfach ist. In einem weiten Rechtsbogen queren wir den Hang nun östlich eindrehend hinunter an die Fellalm. Kurz nach der Fellalm ist der Weg wieder schneefrei, so dass wir wieder einen "normalen" Gang einlegen. Im weiteren Verlauf leitet der meist gute Weg an den ersten Abzweig zur Farnbödenalm. Hier bleiben wir auf dem oberen Weg und steigen nicht zur Alm hinunter. Bald darauf zieht auf ~1215 m von rechts der Pfad von der Alm herauf. Auch hier bleiben wir auf unseren Pfad geradeaus und wandern, meist leicht fallend, ein ganze Weile weiter talaus. Am kommenden Wegedreieck bleiben wir links und erreichen kurz darauf den Abzweig vom Vormittag, wo wir den etwas breiteren Weg nach rechts auf den Kamm hinauf verlassen haben. Jetzt also rechts herum weiter hinab und an der gleich kommenden Kreuzung nach links auf den alten Karrenweg hinunter ins Tal nach Egg. Recht ruppig und stellenweise recht steil leitet dieser an ein weiteres Wegedreieck. Hier zunächst rechts auf den breiteren Forstweg, danach links haltend kurz an eine mehrfach Kreuzung. Der Weg nach Links und nach Rechst endet jeweils nach ein paar Metern. Hier folgen wir dem schmalsten Weg in der Mitte und weiter aus dem Wald heraus auf eine Weidefläche. Wegspuren leiten uns weiter in den kleinen Weiler Egg, der von den ins Tal hereinziehenden Wolken mittlerweile wieder eingehüllt wird – eine tolle Stimmung. Hier nun kurz zwischen den Gebäuden hindurch nach Südosten und leicht schräg über die nächste Weide hinauf an den Waldrand. Auch hier leiten Wegspuren hinüber. Im Wald erreichen wir dann auch wieder den Weg vom Vormittag und steigen auf bekanntem Weg zurück an den Ausgangspunkt der heutigen Bergtour.
Mit einigen kleineren Pausen unterwegs, einer ausgiebigen am Gipfel und vielen halten um einfach nur zu genießen, erreichen wir den Parkplatz nach ~6 ¾ Stunden. Rechnen wir die Pausen raus, waren wir etwa fünfeinviertel Stunden in Bewegung und haben uns so eine ordentliche Brotzeit verdient. Hier endet nun eine weitere, tolle und abwechslungsreiche Bergtour, die wir (entsprechendes Können vorausgesetzt) wirklich empfehlen können.

Blick vom Hochfelln ins Chiemgau und im Hintergrund auf die Berchtesgadener Alpen, Salzkammergut und das Tennengebirge
Beschreibung

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit:
- mittelschwere Bergtour mit ein paar wenigen Kletterstellen bis I (UIAA-Skala)
- Waldwege, Bergpfade, wegloses Gelände und Forststraßen
- stellenweise Orientierungs- und Wegfindungssinn hilfreich  
- Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich
- bei Nässe unangenehm und nicht zu empfehlen
- Kondition für ~1.000 Hm und ca. 13,5 Km  

Ausrüstung:
- Bergtourenausrüstung

Beste Jahreszeit:
Ende Mai bis Ende Oktober
(Schneelage beachten)