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Hochwanner

(2744 m) 19.08.2018
Aus dem Gaistal steigen wir heute auf (den meist unbekannten) zweithöchsten Berg Deutschlands. Wir wandern und kraxeln auf 2744 m hinauf. Spärliche Markierungen weisen den Weg. Steil und mühsam geht es dem Etappenzielgipfel auch über riesige Schuttfelder entgegen. Dabei gilt es leichte Kletterstellen in Auf- und Abstieg zu überwinden. Rauf wie runter erfolgt teilweise über den selben Weg. Im Abstieg wandern wir über´s Steinerne Huttl, Tillfussalm und Gaisalm zurück zum Ausgangspunkt.
Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, sehr gute Kondition und Kletterfertigkeiten sind unbedingte Voraussetzung für diese lange und schwere Bergtour.
Hochwanner
Hochwanner


Ausgangspunkt: 
Leutasch
Parkplatz "P4 im Gaistal "
(ca. 1240 m, 4,00 €/Tg., Stand 2018)

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Routenverlauf:
Parkplatz - Ganghoferweg - Rotmooshütte - Diensthütte - alte Holzbank - Südsteig - Hochwanner - Südsteig - Steinernes Hüttl - Ganghoferhaus / Tillfussalm - Gaistal Alm - Ganghoferweg - Parkplatz

ca. 8 ¼ Std.
Tourenbeschreibung

Heute wollen wir den Hochwanner, der früher auch Kothbachspitze genannt wurde, besteigen. Die Bergfahrt startet am hintersten Parkplatz am Ende der Mautstraße im Gaistal. Direkt von dort geht es über eine kleine mit alten Wanderschuhen bzw. deren Reste über den Salzbach. Kurz auf der breiten Forststraße talein bis zum ersten Abzweig nach rechts in den Ganghoferweg, nun deutlich steiler hinauf. Die nächsten rund 50 Hm zieht dieser ebenfalls breite Weg steiler bergan und verzweigt sich an einer kleinen Lichtung. Diesen Abzweig zur Hämmermoosalm ignorieren wir und wandern deutlich flacher weiter in das Gaistal hinein. Unser Weg führt an einer großen Almfläche vorbei, von dort hat man einen tollen Blick auf den Predigtstein und den Hochwanner.
An einer Gabelung halten wir uns rechts in Richtung Rotmoosalm - Hämmermoosalm. Nun etwa 500 m dem Weg weiter und am folgenden Wegekreuz nach links abbiegen (Schild: Rotmoosalm). Der noch breite Weg führt nun leicht ansteigend in einem weiten Bogen in den Wald und zum Leitenbach. Kurz nach einem Gatter wird dieser überquert und nun weiter auf einem schmaler werdenden Bergweg steiler bergan. Auf ca. 1590 m trifft unser Pfad auf einen Abzweig, der nach links (südlich) hinab zur Gaistalalm führt. Doch unser Weg geht zunächst weiter aufwärts, bis wir auf ca. 1620 m auf eine Almstraße treffen. Dieser folgen wir nach rechts und wandern in einigen großen Serpentinen hinauf bis an die Rotmooshütte. Etwas unterhalb der Rotmooshütte stand bis 2009 die alte Leutascher Rotmoosalm. Sie wurde von einer Lawine völlig zerstört und 2011 etwas weiter oben auf 2033 m neu erbaut. Vorbei an der Rotmooshütte wandern wir noch etwa 300 Meter auf der Forststraße aufwärts, bis zu einer kleinen Holzhütte. Beim Wegweiser nun nach links in Richtung Predigtstein / Steinernes Hüttl. Der schmale Bergpfad bringt uns auf den sog. Südsteig. Auf diesen bleiben wir und folgen ihm nach Westen in den Sattel zwischen Predigtstein (südlich) und Hochwanner (nördlich) an eine Holzbank. Jetzt wird es flacher und wir wandern in einem weiten Bogen zum gegenüberliegenden Geländeabsatz des Mitterjöchl zur nächsten alten kleinen Holzbank.
Hier halten wir uns rechts, verlassen den Bergpfad und steigen (kein Hinweis und oft weglos) über den langen Wiesenrücken nach Norden bergan. Der Rücken wird nach und nach zu einem Kamm, der uns auf das erste Geröllfeld führt. Durch dieses Feld geht es in Serpentinen einem Felsriegel entgegen. Bei einem Steinmandl geht es in die zu durchsteigende Rinne (unschwer etwa I+ UIAA) diese kurze Steilstufe hinauf. Danach quert die noch relativ gut zu findende Wegspur nach Osten auf den riesigen Geröllhang zu. Von hier aus gesehen hat es nun mehrere Aufstiegsrouten. Wir halten uns etwas rechts der Mitte an einer langen, bräunlichen von oben herunterziehenden Schuttreiße. Unangenehm, wie Schuttfelder nun mal sind, eignet sich diese für den Anstieg recht gut doch noch viel besser für den Abstieg. Wir steuern auf eine breite Rinne vor der Schuttreise zu, die wir zunächst emporkraxeln. Diese wird zunehmend steiler und so verlassen wir diese nach etwa ¾ der Strecke, folgen den rechts davon befindlichen Steigspuren (auf vereinzelte Steinmandl achten) und erreichen einen Geländeabsatz. Hier drehen wir nach Norden ein und weiter geht es auf den abschließenden Gipfelhang zu. Hier hat es ebenfalls verschiedene Möglichkeiten für den Anstieg, folgt man jedoch der deutlichsten Spur, liegt man meist richtig - Orientierungssinn ist hier hilfreich (Achtung: Die Spur wird sich über die Jahre durchaus verändern). Nach knapp 5 Stunden erreichen wir dann den zweithöchsten Gipfel Deutschlands und wären die Wolken noch etwas höher, könnten wir eine phantastische Aussicht geniessen. Doch auch bei den heutigen Wetterbedingungen ist es die Mühen des Anstiegs wert und wir genehmigen uns eine ordentliche Brotzeit unweit des Gipfelkreuzes.
Obwohl der Anstieg recht mühsam und auch lang ist, sind wir überrascht dass sich außer uns noch ca. 15 weitere Bergsteiger hier oben eingefunden haben.
Nach der Gipfelrast steigen wir auf dem gleichen Weg zum Mitterjöchl ab. Im großen Geröllfeld bietet sich dem, der es mag und hohen Bergschuhen an den Füßen hat eine Reiße für die direkte Abfahrt an. Die felsige Rinne durch die Steilstufe umgehen wir westseitig (Steinmandl helfen bei der Orientierung) und weiter über das Schuttfeld, den Kamm sowie die Bergwiese zurück zur Bank am Mitterjöchl. Dort halten wir uns rechts wandern auf dem Bergpfad nach Westen hinab. Bald erreichen wir nach einer Bachquerung, das urige und sehr einfache Steinerne Hüttl. Dort kann man sich, – selbst wenn der Wirt mal nicht da ist – mit einem Getränk erfrischen (Getränkekästen stehen vor der Tür). Heuer ist der Wirt aber da und so legen wir nochmal eine Pause ein, bevor wir den weiteren Abstieg angehen.
Vom Steinernen Hüttl zunächst durch Latschengelände nach Süden, später im schönen Bergwald ohne Orientierungsschwierigkeiten zur weit unten gelegenen Tillfussalm hinunter. Dabei bleiben wir immer rechts des Kotbachs. An der Tillfussalm wandern wir durch ein Holztor auf einen Bergweg der uns zur bewirtschafteten Gaistalalm führt. Ab da folgen wir dem gut beschilderten Ganghoferweg (Fahrstraße) in Richtung Osten zum Ausgangspunkt. Dabei queren wir den Leitenbach, kommen am Abzweig vom Vormittag vorbei und marschieren bequem die letzen Meter zurück. Rechtzeitig vor dem Regen erreichen wir diesen und so endet eine lange, abwechslungs- und aussichtsreiche Bergtour.

Der Hochwanner aus dem Gaistal gesehen.
Hochwanner aus dem Gaistal

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit:  
- Wirtschaftswege, gute Bergsteige und ein großes Schuttfeld 
-Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit und Orientierungssinn erforderlich
- eine kurze Kletterstelle etwa I
- gute Kondition (gesamt ca. 1.200 Hm, Aufstiegszeit ca. 4,5 Stunden) 
- durch südseitige Lage im Sommer sehr warm

Ausrüstung: 
- Bergtourenausrüstung
- ausreichend Proviant und vor allem Getränke

Beste Jahreszeit:
Mitte Juni bis Ende Oktober
(je nach Schneelage)

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