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Brudertunnel & Lamsenspitze

(2508 m) 18.07.04 / 22.10.19

Mit zwei, etwa gleich langen Anstiegen hinauf zur Lamsenhütte geht es nach der Hütte über einen mäßig schwieriger Klettersteig (C) durch den Brudertunnel hinauf zur Lamsenspitze. Wer im Klettersteig "nur" A/B gehen mag (Normalweg) kommt ebenso auf seine Kosten. Herrliche Aussicht und Tielfblicke satt, bieten sich am Gipfel. Auch wenn auf der Tour viel Gehgelände zu bewältigen ist, darf am sie nicht unterschätzen. Absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gute Portion Kondition sollten auf jeden Fall unsere Weggefährten sein.

Die Lamsenspitze
Die Lamsenspitze von der Gramaialm aus gesehen.

Ausgangspunkt
Wanderparkplatz Falzthurntal / Grameialm
(1281 m)
oder
Parkplatz Engalm am Ende des Engtals
(Großer Ahornboden, 1200 m)
(Beide nur über Mautstraße erreichbar, jeweils € 4,5 P.T., Stand 2019)

Routenverlauf
1. Möglichkeit:
ca. 6 Std.
Gramaialm - Gramaier Grund - Lamsenjochhütte - Brudertunnel - Lamsenspitze - Lamsenjochhütte - Gramaier Grund - Gramaialm

2. Möglichkeit: ca. 8 Std.
Alpengasthof Eng - Binsalm - westl. Lamsenjoch - Lamsenjochhütte - Brudertunnel - Lamsenspitze - Lamsenjochhütte - Binsalm - Alpengasthof Eng

Tourenbeschreibung
Vom Wanderparkplatz an der Gramaialm (Hotel-/Gaststättenkomplex) am Endedes Falzthurntals wandern wir zunächst auf einem breiten Forstweg, vorbei an kleine Almhüttenund einem Streichelzoo nach Südosten dem Talschluss entgegen. Mit dem Sonnjoch zur Rechten haben wir einen weiteren mächtigen Felsklotz der Lamsenspitze schon zum Start der Bergtour an der Gramaialm im Blick. Auf deutlich gekennzeichnetem Weg wandern wir in das Tal hinein. Schon bald wird der breite Weg zu einem guten Bergpfad. Auf diesen steigen wir nun in zahlreichen großen und kleinen Serpentinen steil hinauf an die Lamsenjochhütte. Unterwegs kann man viele tolle Ausblicke auf die umliegenden Gipfel des Falzthurntals mitnehmen. Die Wolken ziehen zügig über unsere Köpfe hinweg und als wir nach knapp zwei Stunden die bereits geschlossene Hütte erreichen, reißt es ein wenig auf und so hoffen wir auf ein sonniges Gipfelerlebnis. Im Windschatten der Hütte verschnaufen wir ein wenig, genehmigen uns eine kurze Brotzeit. Von hier aus haben wir beste Sicht auf Teile des Zustiegs sowie Teile des Brudertunnel- oder auch Lamsen-Klettersteigs.
Da sich die Sonne nicht richtig durchsetzen mag, wird es im Wind schnell kühl und so ziehen wir weiter nach Osten (nicht über die Kapelle gehend) dem Einstieg des Brudertunnel-Steigs entgegen. Unterhalb der Kapelle wandern wir dafür über einen Pfad und am nächsten Abzweig links haltend in ein Schutt- und Geröllfeld hinein. Der Brudertunnelsteig ist ein beliebter Klettersteig und so verwundert es nicht, dass der Pfad durch den Schutt recht gut zu gehen ist. Vor der Wand steilt die Schutthalde nochmals auf und kurze Zeit später erreichen wir auch den Einstieg, den eine bronzene Gedenktafel markiert.
Zunächst führt eine Rampe recht harmlos und unschwierig einige Meter an der Steilwand entlang hinauf. Danach dreht der Steig nach rechts und es geht der Rinne folgend nun steil -um nicht zu sagen fast senkrecht- aufwärts. Der 2002/2003 komplett sanierte Steig bietet neben künstlichen Tritthilfen oft auch genügend natürliche Griffe und Tritte, so das man sich nicht nur am Seil hochziehen muss. Im weiteren Verlauf kraxeln wir über drei Rampen im Zickzack durch die Wand, bevor es nach ca. 25 Minuten nach links um eine etwas abdrängendes Teilstück in den oft zitierten Naturtunnel hinein geht. Nicht wundern, der Tunnel ist kürzer als er in vielen Berichten dargestellt wird. Es wird etwas duster, doch richtig dunkel (wie z.B. in den Stollen der Dolomiten) wird es nicht. Am Ende des Naturstollens, nach kaum 50 m steigen wir senkrecht nach oben aus dem Klettersteig heraus. Dies ist die eigentliche Schlüsselstelle des Steigs. Direkt danach geht es noch einige Meter steil über bröseliges, schrofiges Gelände aus dem Steig heraus auf den Verbindungspfad zwischen Lamsenspitze und Hochnissl. Schaut man nun zurück, also von oben in den Brudertunnel, dann guckt man in ein schwarzes Loch. Im Abstieg wird dieser Steig nicht begangen.
Auf der hiesigen Seite bläst ein fast orkanartiger Wind, der immer wieder heftige Böen aus Richtung Lamsenspitze mit sich bringt. Wir stapfen recht mühsam weiter auf dem Pfad in Richtung Lamsenspitze nach Westen. Dort wollen wir noch den 2. Teil des Steigs mitnehmen. Doch so weit kommen wir gar nicht. Kurz nach verlassen des Ausstiegs können wir, vor den Lamsentürmen, einen Blick auf die andere Seite nehmen, müssen aber aufpassen, dass die Böen uns nicht wegpusten. Weiter geht´s dem Pfad folgend hinauf in Richtung Lamsenscharte. Dabei führt der Weg etwas weiter über die freie, schuttbedeckte Fläche garch hinauf. Völlig frei im Wind stehend werfen uns einige Böen fast um. An der Lamsenscharte treffen wir auf absteigende Bergsteiger, die Ihrerseits die Tour vor dem Einstieg in das Schlussstück zum Gipfel abgebrochen haben. Da das Wetter so nicht vorhergesagt war und wir den weiteren Witterungsverlauf nicht abschätzen können, steigen wir nun ohne Gipfel an der Lamsenscharte hinüber auf die andere Seite und über den Normalweg ab. Direkt in der Scharte versucht der Wind nochmals uns umzuwerfen, doch da sind wir zügig durch und können so, zwar mit Wind aber ohne Sturm, den Abstieg angehen.
Kurz kraxeln wir über den Steig (A/B) bis hinunter unter die mächtigen Wände der Lamsenspitze und bis ran an die riesigen Schuttreisen. Hier kann man prima durch das Geröll abfahren. Gegen Ende wird dies dann auch recht mühsam, doch es bring jede Menge Spaß und bringt uns schnell talwärts und zunächst zurück zur Lamsenjochhütte. Nebenbei gibt das schöne weiße Schuhe ;-).
Von der Lamsenjochhütte steigen wir auf dem Herweg zurück zur Gramaialm im Falzthurntal und beenden dort eine, trotz der Wetterumstände, tolle Tour. Da die Wetterentwicklung ungewiss und eher auf schlechter steht, beeilen wir uns ein wenig und erreichen die Gramaialm kaum eine Stunde nach verlassen der Lamsenjochhütte.

Die Entscheidung, an der Scharte die Tour abzubrechen, war richtig! Wenn wir nun von an der Gramaialm stehend zum Gipfel hinaufblicken, sehen wir wie die Wolkenfetzen regelrecht über den Gipfel gepeitscht werden. Das hätte dort oben keinen Spaß mehr gemacht.

An der Lamsenjochhütte mit Blich aif die Lamsenspitze
An der Lamsenjochhütte

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit:
- viel Gehgelände auf gutem Bergweg bis zur Lamsenjochhütte
 - gut versicherter Steig
 - Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit erforderlich
 - an einigen Stellen ausgesetzt
- Kondition für ~ 1370 HM und ca. 12,5 KM
(ohne Gipfel ca. 250 Hm und 1 Km weniger)

Ausrüstung:
- Klettersteig-Ausrüstung
(Helm, Handschuhe, komplettes Klettersteigset)

Beste Jahreszeit:
Ende Juni bis Ende Oktober