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Hindelanger Klettersteig

Nebelhorn - Westlicher Wengenkopf - Östlicher Wengenkopf - Zwiebelstränge - Großer Daumen
(~2040 m) 14.08.2022

Oberhalb von Oberstdorf im Allgäu wurde durch die Sektion Allgäu-Immenstadt des DAV bereits ab 1973 ein schöner Klettersteig angelegt. Fast immer dem Gratverlauf folgend, leitet der Hindelanger Klettersteig mit vielen herrlichen Tief- und Ausblicken über den Westlichen, Östlichen Wengenkopf und die Zwiebelstränge hinauf zum Großen Daumen. Unterwegs wechseln sich luftige, fast nicht enden wollenden Felsgratpassagen mit teils langen und steilen Leitern ab. Dabei reicht die Sicht an klaren Tagen von der Zugspitze bis hinüber an den Bodensee.
Der Hindelanger Klettersteig ist ein anspruchsvoller Klettersteig der für Anfänger und Kinder nicht geeignet ist (mittelschwer, B/C, Kletterei bis II). Zuletzt wurde der Steig 2020/2021 saniert.
Nach der Überschreitung wandern wir noch hinauf zum Großen Daumen und im Abstieg geht es vorbei an Laufbichelsee, Kobaltsee und das sog. Kobalt zurück zur Bergstation Höfatsblick.
Zu guter Letzt steht ein gut zwei stündiger Abstieg an, der uns auf sehr steiler und poltriger Bergstraße zunächst an die Mittelstation der Nebelhornbahn an die Seealpe und weiter hinunter nach Oberstdorf leitet.
Alternativ nimmt man rauf wie runter die Bahn – was deutlich bequemer ist und sehr viel Zeit einspart!

Blick über den Hindelanger Klettersteig
Hindelanger Klettersteig

Ausgangspunkt
Oberstdorf
Talstation Nebelhornbahn
(ca. 830 m, Berg-,Talfahrt € 44,00 / Bergfahrt € 34,00, Stand 2022)
(Öffnungszeit: 8:30 – 16:30 Uhr)

Routenverlauf
Bergstation Nebelhorn - Nebelhorn - Westlicher Wengenkopf - Östlicher Wengenkopf - Zwiebelstränge - Sattel - Großer Daumen - Sattel - Laufbichelsee - Kobaltsee - Bergstation Höfatsblick / Edmund Probst Haus - Faltenbachtal - Vordere Seealpe - Kalter Brunnen - Seealpe / Mittelstation - Faltenbachtobelweg - Skisprungstadion - Talstation Nebelhornbahn

ca. 9 ¼ Std.
Tourenbeschreibung
Mit der zweiten Gondel der ersten Bergfahrt fahren wir mit der Nebelhornbahn von Oberstdorf über 2 Abschnitte hinauf zum Nebelhorn Gipfel (2224m). Am Höfatsblick steigen wir in die nächste Bahn um und beim Anblick des zackigen Gratverlaufs des Hindelanger Klettersteigs steigt in der prall gefüllten Gondel die Vorfreude auf die heutige Tour. Oben angekommen folgen wir den Hinweisschildern, Markierungen und anderen Klettersteiggehern zum Einstieg "Hindelanger Klettersteig". Nach wenigen Metern leitet ein Bergweg nach links hinab und unter der Gondel hindurch zum Einstieg. Hier biegen wir jedoch nach rechts ab und spickeln kurz durch einen kleinen Tunnel und wandernd hinüber auf die Nordseite des Nebelhorns. Auf der Aussichtplattform kann man prima über Entschekopf, Schnippenkopf, Heidelbeerkopf, Sonnen- und Gehrenkopf zum Sonthofener Hörnle sowie nach Sonthofen und Immenstadt schauen.
Von der Aussichtsplattform wandern wir durch den kurzen Tunnel zurück und neben der Seilbahnstation rechts vorbei, kurz abwärts und im weiteren Verlauf kurz ungesichert mit leichten Kletterstellen (I UIAA) über eine erste Erhebung hinüber. Direkt danach folgt der Einstieg in den Hindelanger Klettersteig an der ersten senkrechten Leiter. Dort kurz hinauf und teilweise mit Stahlseilen versichert hinauf auf den Westlichen Wengenkopf. Zu beiden Seiten des Grates lassen uns immer wieder schöne Tiefblicke erstaunen. Am zunehmend schärfer werdenden Grat entlang zu einer sehr exponierten Stelle die mit zwei (kleinen) Tritten entschärft ist. Die nächste Eisenleiter leitet einen Felsabbruch hinab und danach steigen wir unter einer senkrechten Wand weiter hinunter. Am Kamm leitet der "Weg" über Schrofengelände in die markante Scharte zwischen den Wengenköpfen. Hier befindet sich auch ein markierter Notabstieg. Nun steht der nächste Aufschwung über eine lange, schräge Leiter auf eine Felsschulter an. Dort angekommen geht es dann nach links an Drahtseilversicherungen an den Kamm. Es folgt, nur teilweise versichert und mit einigem Auf und Ab, der Östliche Wengenkopf, von dem aus wir den Klettersteig in beide Richtungen überblicken können. Danach steigen wir über die nächste, recht exponierte Leiter hinunter in eine weitere Scharte. Bevor wir den Gegenanstieg zu den „Zwiebelsträng“ hinauf angehen, erreichen wir den Abzweig nach rechts, der eine weitere Abstiegsmöglichkeit (Beschilderung: Notabstieg Kobalt) bietet. Im weiteren Verlauf leiten uns nun künstliche Tritte (schmale Eisenplatten) über plattige Felsen hinweg. Schauen wir nach rechts hinunter lässt sich der ausgetrocknete Kobaltsee und der Laufbichlsee erkennen. Blicken wir nach rechts in die Allgäuer Alpen hinein, so ist die markante Felsenpyramide des Hochvogel leicht auszumachen. Weiter steigen wir meist gut versichert über die letzten Gratzacken. In die kommende, ausgeprägte Scharte wird nochmals über eine lange, steile Leiter abgestiegen. In der Scharte kann man bei Bedarf nach rechts den allerletzten Aufschwung des Klettersteigs vorzeitig verlassen (Notabstieg). An dieser Stelle legen wir eine kurze Pause ein und genehmigen uns eine kleine Stärkung, bevor wir den Weiterweg angehen.
Ein letztes mal schwingen wir uns mit einem Hau Ruck erst am Seil, dann über Leitern und ein letztes Seilstück den letzten Buckel hinauf. Nun ist das Ende des Hindelanger Klettersteig nicht mehr fern und über eine Leiter erreichen wie einen Schrofensattel. Kurz darauf stößt man auf den vom Kobalt heraufkommenden Weg, dem wir nach links (nordöstlich) in etwa 20 Minuten zum Gipfel des Großen Daumen hinauf folgen. Vom Gipfel hat man einen phantastischen Ausblick, nicht nur auf den gesamten Hindelanger Klettersteig, sondern bei entsprechendem Wetter über die gesamte Gipfelpalette vom Guffert und Zugspitze im Osten über Knittelkarspitze, Hochvogel, Parseierspitze, Krottenkopf, Höfats sowie dem Säntis im Westen und hinüber an den Bodensee. Das sind deutlich über Einhundert Gipfel, die sich vom Gipfel des Großen Daumens erkennen lassen.
Für den Abstieg wandern wir auf dem Herweg zurück und hinunter in die Scharte. Von dort auf holprigem Weg dann weiter hinab an den smaragdgrüne Laufbichelsee. Im Abstieg können wir von oben bereits einige kälteresistente Bergwanderer beim Schwimmen beobachten - ob die es lange aushalten? Erfrischend ist´s bestimmt. Am Laufbichelsee leitet der Pfad später rechts vorbei und hinüber zum in 2022 ausgetrockneten Kobaltsee. An diesem leitet der Pfad links vorbei nach Südwesten und im weiteren Verlauf durch teils schrofiges Gehgelände hinüber zur Zwischenstation der Nebelhornbahn am Edmund-Probst-Haus. Dieses Wegstück erscheint einem lang, es ist Stellenweise recht unwegsam und benötigt ebenfalls eine gewisse Trittsicherheit. Die Gegenanstiege (insg. ~ xx m) brauchen zusätzlich nochmal ein paar Körner und das sollte man unbedingt bedenken, bevor man sich für die "Mitnahme" des Großen Daumen entscheidet. Nach gut zwei Stunden ist dann das Edmund-Probst-Haus erreicht, die letzte Bahn verlässt in etwa 10 Minuten die Bergstation doch wir hatten von vornherein den Weg zu Fuß zurück ins Tal geplant. So geht´s zunächst zum Einkehrschwung in die Berghütte und dort gönnen wir uns eine kleine Pause bei einer kühlen Erfrischung.
Nach der neuerlichen kurzen Pause treten wir den finalen Abstieg über die Alm/Bergstraße an. Diese ist zum Teil asphaltiert mit jedoch großen Rissen und Löchern in der Fahrbahndecke, zudem leitet diese sehr steil und wir meinen richtig steil hinunter zur Seealpe und der Mittelstation der Nebelhorbahn. Es ist nochmals Konzentration gefordert und eine gute Oberschenkelmuskelatur von Nöten, dann erreichen wir nach einer Stunde, vorbei am Kalten Brunnen (Pumpstation) und Vordere Seealpe den Berggasthof Seealpe. Zwischen dem Berggasthof und der Bahnstation hindurch und weiter auf dem geschotterten Weg nach links abbiegend, quer über die Weisefläche hinab nach Westen und dem sog. Faltenbachtobelweg folgend gegen den Waldrand. Dort leicht nach rechts in eine Linkskurve und weiter hinab an die Fahrstraße nach Oberstdorf. Diese queren wir uns folgen zunächst recht flach einem wurzeligem Wanderweg. Auf etwa 1110 m queren wir den Faltenbach bei einem Stauwehr und wandern nun links davon weiter tälwärts. Etwa 60 Hm später zweigt nach rechts ein Pfad ab, der uns erneut sehr steil hinab an ein weiters Stauwehr leitet, dort über Treppenstufen und einige weitere steile Passagen an eine Brücke. Wir queren erneut den Faltenbach und wandern weiter steil in Richtung Tal. Bald darauf dreht der Weg vier mal stark ein und leitet letztmalig steil hinab. Nun kurz flacher an eine Fahrstraße die uns in wenigen Minuten direkt ans Skisprungstadion und unter den Tribünen hindurch nach Oberstdorf leitet. An der Kreuzung bleiben wir links und folgen der Straße um das Stadion herum. Nach Oberstdorf hinein geht es dann auf der "Am Faltenbach" - Straße in weinigen Minuten Zurück zum Startpunkt der heutigen Tour zur Talstation der Nebelhornbahn, die wir nach 2 Stunden ab Edmund-Probst-Haus erreicht haben.
Die Oberschenkel brennen, die Füße sind rund, wir sind recht platt und hungrig. Zusammengefasst war das heute eine tolle Bergfahrt und ein tolles Klettersteigerlebnis. Gut, den Abstieg zu Fuß kann man sich ersparen, doch so haben wir diesen auch mal erlebt 😎 😉.

 

Panoramablick vom Großen Daumen in die Allgäuer Alpen und hinüber zum Hindelanger Klettersteig
Beschreibung

zum Höhenprofil

~300° Panorama vom Großen Daumen und dem Hindelanger Klettersteig
(größer/kleiner - einfach mit der Maus ins Bild und scrollen)


Karte mit Track Hindelanger Klettersteig mit Großem Daumen

360° Panorama am Rabenkopf

Charakter / Schwierigkeit:
- mittelschwerer Klettersteig (C) & Kletterstellen bis II (UIAA-Skala)
- kompletter Steig nicht für Anfänger geeignet
- absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich
- nicht alle Steilpassagen sind mit Drahtseilen, Leitern o. ä. abgesichert
- es gibt mehrere Möglichkeiten für Notabstiege (nur nach Süden), jeweils in den gr. Scharten
- Kondition für ~1.400 Hm↑, ~2.000 Hm↓ und ca. 15,5 Km
- absolute Vorsicht bei Schlechtwetter oder zweifelhaften Verhältnissen 

Ausrüstung:
- Klettersteigausrüstung
- ausreichend Proviant und vor Allem Getränke

Beste Jahreszeit:
Ende Juni bis Ende Oktober
(unbedingt Schneeverhältnisse beachten)