Guffert, Guffertspitze (Nordsteig)

(2194 m) 13.-14.08.16
Eine abwechslungsreiche und lange Bergtour führt uns über den Nordsteig auf den Guffert. Ein unter Wanderern sehr beliebter Berg nördlich des Rofans. Dieser Anstieg wird, weil länger und schwieriger, nicht so häufig begangen wie die Südroute. Oben angekommen reicht die Gipfelschau von den Bayerischen Voralpen, Wettersteingebirge, Karwendel, Rofangebirge bis in die östlichen Zentralalpen zwischen Stubaier Alpen, Hohen Tauern und dem Kaisergebirge im Osten. Für den geübten Bergsteiger ist der Guffert eine durchaus lohnende Tour.
Für heuer ist eine Übernachtung am Gipfel geplant und durch das dafür notwendige Mehrgepäck veranschlagen wir für den Aufstieg etwa eine Stunde mehr als üblich.

Der Guffert in der Morgensonne
Der Guffert im Schein der Morgensonne

 

Ausgangspunkt:
Steinberg am Rofan
Parkplatz beim "Waldhäusl"
(ca. 1000 m, Gebührenpflichtig: 3,00 €/Stand 2016)

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Routenverlauf: 
Parkplatz - Waldhäusl - Obere Bergalm - Stubachalm (verf.) - Weißbachlgraben - Nordsteig - Guffert - Waldhäusl - Parkplatz

ca. 8½ Std. (unter "normalen" Bedingungen etwa 2 Std. weniger)
Tourenbeschreibung:
Bei schönstem Wetter geht es heute erst um 14:20 am Parkplatz beim Waldhäusl los. Zunächst kurz auf dieses zu, dann links an selbigem vorbei auf die Steinbergstraße in Richtung Ortsausgang. Nun marschieren wir etwa 2,7 Km entlang der Straße um den Grünkopf herum, bis zum Abzweig vor dem Schwarzenbach kurz nach der Oberen Bergalm. Ein alter Wegweiser, den man schnell übersehen hat, weist uns den Weg, der kurz darauf zu einem schmalen, gerade noch findbaren Pfad wird. Es geht durch ein Dickicht aus Tannen, Buchen und Gestrüpp zu einem alten Forst-/Holzweg. Auf diesem kurz weiter auf eine Forststraße (Schild I). Diese verlassen wir bereits nach ca. 50 m nach rechts (Schild II). Dort wandern wir nun auf meist deutlichem Pfad in stetigem auf und ab, mal mehr mal weniger steil, mal in Serpentinen, über Wurzeln, Steine und Schotter quasi um den Guffert herum. Zu Beginn ist der Pfad stellenweise hüfthoch zugewachsen, was das tragen einer langen Hose sinnvoll macht. Auf dem Weg werden einige Bachgräben gequert und schließlich erreichen wir auf etwa 1510 m die Almwiesen oberhalb der Issalm. Bis hierher ist der Weg wenig Aussichtsreich, doch das ändert sich nun schlagartig. Auf den nächsten knapp 700 Hm können wir, zunächst nur nach Norden, immer wieder die tolle Aussicht genießen.
Merklich steiler geht es nun durch Wiesenhänge den Nordwänden des Gufferts entgegen. Der Nordsteig auf den Guffert führt zunächst durch eine breite Felsrinne hinauf. Der Einstieg ist mit einem dicken Punkt markiert und die Rinne ist mittels Drahtseile und einigen Trittstiften gesichert. Unangenehm sind nur die nassen und dadurch rutschigen Felsen. Ansonsten ist der kurze versicherte Abschnitt (etwa 50 m) gut zu machen. Nach den versicherten Stellen geht es dann zunächst wieder gemütlicher auf schrofigem Steig weiter bis hinauf auf eine Schulter. Dort beginnt dann in schöner Abwechslung Geh- und Kraxlgelände ( bis I). Durchgehend steil bleibt es, bis wir den Ostgrat des Guffert erreichen. Wir halten uns rechts und steigen etwas flacher zum Grataufschwung hinüber. Links von diesem Ausstieg befindet sich ein kleines Plateau auf dem sich bereist zwei Bergsteiger ihr Nachtlager aufgebaut haben.
Durch steiles Schrofengelände (max. I, Wegführung nicht immer klar ersichtlich) kraxeln wir dem Schlussstück des Grates entgegen. Hier und da hängen auch ein paar Versicherungen aber alles in Allem ist der Aufstieg zum Gipfelkreuz gut zu meistern. Gegen Schluss wird der Grat wieder flacher dafür aber auch schmaler. Einige Drahtseilsicherungen leiten uns sicher auf den Gipfel. Den Gipfel des Guffert kann man erst sehr spät erkennen, wird er doch vorerst von dem davor liegenden Buckel verdeckt.
19:50 Uhr und wir stehen völlig alleine am Gipfel und haben eine wunderschöne Aussicht auf und in die umliegende Bergwelt. Da wir jedoch noch einen Biwakplatz suchen müssen, steigen wir auf dem Aufstiegsweg über den Ostgrat wieder hinunter an das kleine Plateau und von dort noch etwa 100 Hm tiefer, wo wir uns einen geeigneten Platz für das Nachtlager suchen. Selbiger ist schnell gefunden und noch vor dem Dunkelwerden haben wir unser Trap aufgestellt, die Schlafsäcke und Isomatten ausgelegt und das Wasser für das Abendessen auf den Kocher gestellt. Jetzt kann es gemütlich werden.
Nachdem wir uns für die Nacht eingerichtet haben, gibt´s nun endlich eine lange Pause und auch das Essen kommt nicht zu kurz. Den Brenner angeworfen, Wasser aufgekocht, Beutelsuppe und Nudeln zusammen gerührt... lecker ist was anderes aber es sättigt. Durch die hereinbrechende Nacht hat es ein besondere Lichtstimmung und es fehlt nur noch ein Wein oder Bier für einen gemütlichen Abend. Das aber wollten wir nicht auch noch mit herauf schleppen. Wir schauen noch ein wenig herum und in der Ferne kann man sogar die Lichter Münchens sehen. Am Firmament funkeln die Sterne, der Mond leuchtet hell und sogar die ein und andere Sternschnuppe lässt sich sehen, bevor wir in unseren Schlafsäcken in den verdienten Schlaf fallen.
Gegen fünf Uhr weicht nach und nach die Dunkelheit und gegen 06:00 Uhr ist es dann soweit, die Sonne geht hinter den Bergen auf. Kaum 10 Minuten später steht sie dann in hellem gleißendem Licht über den östlichen Bergrücken und schickt die wärmenden Strahlen zu uns herüber. Schnell wird es auch hier oben richtig warm.
Der Kaffee ist getrunken, die gesamte Ausrüstung wieder verpackt und so starten wir um halb acht den Abstieg über die "normal" Route hinunter nach Steinberg. Kurz stapfen wir weglos hinüber auf den Bergpfad, der uns hinab in Richtung Schmidtquelle führt. An der Abzweigung folgen wir jedoch nicht dem Wegweiser zur Schmidtquelle, sondern halten uns rechts. Nun geht es auf gutem Pfad hinein in die Latschen und in leichtem auf- und ab stetig fallend nach Süden. Gegen 08:15 kommt uns ein erster Wanderer hier oben entgegen und wir sind gespannt, wie viele uns auf dem Abstieg noch entgegenkommen werden. Also beginnen wir zu zählen. Die Latschen werden dichter und der Weg führt etwas steiler abwärts, da treffen wir auf eine weitere Verzweigung, die der ein oder andere auch gerne übersieht. Hier kommt der Weg von der Schmidtquelle herunter. Weiter geradeaus und zunehmend steiler und unwegsamer geht es nun hinunter nach Steinberg. Dabei kraxeln wir ab und an über Schrofen, steigen über Wurzeln oder mühen uns im Schotter in unzähligen Serpentinen dem Tal entgegen. Je weiter runter man kommt, desto gemütlicher wird der Weg. Der zu querende Fahrweg markiert das nahende Ende der Tour. Nochmal kurz auf dem Pfad weiter durch den Wald, über den folgenden Fahrweg erneut queren und noch wenige Meter hinunter zum Mühlbach. Dort noch über die kleine Brücke und nach 50 Metern ist der Wanderparkplatz am Waldhäusl erreicht. Die Uhr zeigt genau auf Zehn und eine sehr abwechslungsreiche Bergtour endet.
Auch ohne das Biwak unterhalb des Gipfels eine tolle Rundtour. Wer den zeitlichen Mehraufwand für die Umrundung des Guffert und den damit verbundenen anspruchsvolleren Aufstieg sowie die Gehpassagen auf/neben der Straße einplant, der wird mit einer tollen Rundtour, Abgeschiedenheit und Schatten im Aufstieg belohnt.

Ach ja, da war doch noch was... Bis zum Endpunkt der Tour haben wir insgesamt 108 Wanderer gezählt, die uns im Abstieg entgegen kamen!

Sonnenaufgang am Guffert - ca. 06:15 Uhr
Sonnenaufgang am Guffert

Sonnenaufgang am Guffert - 07:30 Uhr
Sonnenaufgang am Guffert

 

Charakter / Schwierigkeit:  
- langer Anstieg
- kurze versicherte Stellen und Kraxeleien bis I
- Schwindelfreiheit und Trittsicherheit
- Kondition für etwa 1400 Hm
- Unterwegs keine Hütte

Ausrüstung:
 - komplette Bergtourenausrüstung
- ggf. Teleskopstöcke
- ausreichend Proviant und Getränke
- Ausrüstung für die Nacht (Trap, Schlafsack, Isomatte, Kocher etc.)

Beste Jahreszeit:
ende Mai bis Ende Oktober

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