Der Jubiläumsgrat
Gratüberschreitung von der Zugspitze zur Alpspitze

(2.962 m - 2.628m) 25.08.07 / 14.09.16
Die "Gratwanderung" über den Jubiläumsgrat von der Zugspitze zur Alpspitze ist für den erfahrenen Bergsteiger eine traumhafte Bergtour. Mit atemberaubenden Tiefblicken und anregender Kletterei zieht der Weg fast immer entlang der Gratschneide. Eine lange und schwere Bergtour und Gratüberschreitung, die nur von geübten und sicheren Bergsteigern bei stabiler Wetterlage angegangen werden sollte. Unterwegs am Jubiläumsgrat
Gratüberschreitung von der Zugspitze zur Alpspitze
 
Der Jubiläumsgrat ist eine phantastische Bergtour mit Schwierigkeiten bis in den II. und unteren III. Grad (nach UIAA-Skala). Der Jubigrat ist KEIN_Klettersteig, nur wenige Stellen sind versichert, VIELE dafür umso ausgesetzter. Neben absoluter Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind sehr gute Kondition und Kletterfertigkeiten unbedingte Voraussetzung für diese lange und schwere Bergtour.
 
 

Ausgangspunkt: 
Parkplatz Zugspitzbahn am Eibsee
(ca. 1.000 m, € 3,50/T. Stand 2016)

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Routenverlauf: 
Bergstation Zugspitze - Zugspitzgipfel (2.962m) - Innere- (2.741m), Mittlere- (2.743m), Äußere-Höllentalspitze (2.720m) - Volkarspitze (2.618m) - Grieskarscharte (2.463) - Alpspitze (2.628m) - Bergstation Osterfeldbahn (2.030m) --> Abstieg über Hochalm (1705m) - Jägersteig - Waldeck (1170m) nach Hammersbach (780m)

ca. 9½ Std. (Zugspitze - Alpspitze - Bergstation Osterfeldbahn) + ca. 2 Stunden Abstieg (Bergstation Osterfeldbahn - Hammersbach)
ca. 5 Km Luftlinie, rund 8 Km Weg- bzw. Kletterstrecke (Zugspitze bis Alpspitze)
etwa 770 Hm Gegenanstiege bis zur Grieskarscharte + etwa 100 Hm hinauf unter die Alpspitze
2.965 Hm Gesamtabstieg (Zugspitze - Alpspitze - Hammersbach)

Tourenbeschreibung:
Heute haben wir Glück und können mit den Bauarbeitern bereits eine Gondel um 07:30 Uhr hinauf auf Deutschlands höchsten Berg nehmen. Oben angekommen ist natürlich noch nicht viel los, da die erste offizielle Bahn die Tagestouristen erst ab 08:00 Uhr hier herauf bringt.
Oben angekommen legen wir unsere Ausrüstung an und starten die Gratüberschreitung des Jubiläumsgrats gegen kurz vor acht bei allerbestem Bergwetter von der Besucherterrasse. Zunächst queren wir über den "Touristensteig" hinüber zum Gipfel der Zugspitze und nehmen den noch menschenleeren Gipfel mit. Danach kurz zurück und scharf nach rechts hinunter auf den Weg abbiegen. Nun links auf schmalem Weg am Gipfelaufbau vorbei. Kurz darauf erreichen wir die Verzweigung, welche aus dem Höllental herauf kommt. Wir halten uns jedoch geradeaus und steigen in den Jubiläumsgrat, ein Schild "Jubiläumsgrat" zeigt uns deutlich den Weg, ein. Nach und nach verliert sich der schmale Weg und zur Orientierung bleiben bald nur noch Trittspuren, spärliche, blasse Markierungen oder Kratzspuren der Steigeisen. Rasch geht es mit ersten Klettereien zur Sache und man gewöhnt sich schnell an die Tiefe, die einen links wie rechts umgibt. Man muss sich höllisch konzentrieren und sollte vor lauter Gucken und Genießen nicht unbedingt stolpern, geht es doch gleich mehrere hundert Meter steil bis senkrecht hinab in die Täler.
Vor dem ersten größeren Gegenanstieg geht es, immer wieder durch kleinere Klettereien unterbrochen, gute 300 Meter abwärts. Eine erste Prüfung ist die glatte Rinne, bei der man seine Kletterfertigkeit bereits beweisen muss (etwa III-). Nach einem etwa 50 m hoher Aufschwung vor der Inneren Höllentalspitze (C), der auf der anderen Seite spektakulär (I / II+) abgeklettert werden muss, geht es in anregender Kraxelei und mit tollen Tiefblicken hinauf auf die Innere Höllentalspitze und weiter zu einer Verzweigung die über den Brunntalgrat zur Knorrhüttte führt. Hier wäre die einzige Möglichkeit für einen Notabstieg. Weiter dem Gratverlauf folgend in ständigem Auf und Ab zur Mittleren Höllentalspitze. Dort gönnen wir uns eine kurze Brotzeit, bevor wir den Weiterweg über den Jubiläumsgrat antreten.
Nach dieser kurzen Pause geht es weiter zum Grathüttl (Höllentalgrathütte). Ein kurzer Blick in die 2011 erneuerte Biwakschachtel (12 Schlafplätze, ersetzt das alte Grathüttl) und wir steigen weiter hinauf zur Äußere Höllentalspitze, die in wenigen Minuten erreicht ist. Im weiteren Verlauf folgen einige sehr ausgesetzte (II-) Stellen (Rinnen und Steilabbrüche z. T. drahtseilversichert) hinunter in eine Scharte vor der Volkarspitze. Dort angekommen nochmals sehr steil und kräfteraubend über eine Felsnadel, dann stehen wir in der Scharte direkt unter der Volkarspitze. Diese ist recht klein und fällt nach beiden Seiten sehr steil ins Reintal und Höllental ab. Von hier in 70 m hinauf auf die Volkarspitze (etwa 40 m davon sind gut versichert und fast senkrecht zu klettern). Es ist nochmal eine gehörige Portion Armkraft gefordert. Auf der anderen Seite der Volkarspitze sehr steil und teilweise ungesichert hinab in eine Gratsenke und in mäßiger Schwierigkeit über der "Weg" über einen Gratrücken hinauf unter den Hochblassen. An der Markierung (in rot Grießkar) halten wir uns links und umgehen den Hochblassen nordseitig über schottriges Schroffengelände. Ein Schild "Jubiläumsgrat" zeigt hier deutlich das Ende der eigentlichen Gratüberschreitung an. Die Tour ist hier aber noch nicht zu Ende. Es folgen etwa 100 Hm Abstieg auf der Nordostseite des Hochblassen und ein kurzer Gegenanstieg entlang des Wandfußes. An dessen höchstem Punkt gelangen wir auf die anderen Seite eines Rückens und steigen von dort nördlich in die Grießkarscharte ab. In der Scharte verzweigt sich der Weg in Richtung Höllental (Matheisenkar/Höllentalangerhütte) und Alpspitze.
Wir halten uns an den Gratrücken und nehmen nochmals etwa 100 Hm über den Kamm hinauf zur Alpspitze unter die Sohlen. Dabei muss an der ein oder anderen Stelle nochmals ein versicherter Aufschwung genommen werden. Erst kurz unterhalb der Alpspitze, auf etwa 2550 m queren wir hinüber (versichert) in die Alpspitz Ferrata. Nun sehr gut mit Stahlseilen, Trittbügeln und -stiften abgesichert über diese hinab zur Bergstation der Alpspitzbahn.
Gegen 18:10 Uhr erreichen wir die Bergstation, doch leider eine gute halbe Stunde zu spät - die letzte Bahn fuhr um 17:30 Uhr. Kein Mensch ist mehr hier oben und es herrscht völlige Stille. So nutzen wir die Gelegenheit, lassen uns kurz nieder und futtern unsere Rucksäcke leer. Schade nur, dass alles geschlossen ist und es keine Möglichkeit gibt etwas trinkbares zu ergattern (Trinkvorräte sind aufgebraucht). Gegen halb sieben machen wir uns etwas durstig auf den Weg über Hochalm und Waldeck weiter nach Hammersbach. Zu den bis hier gesammelten rund 1.735 Abstiegsmetern kommen jetzt noch mal weitere 1.230 m hinzu.
Der Weg zur Hochalm und weiter über den Jägersteig/Waldeck ist leicht zu finden und gut zu gehen. Etwa 300 m vor der Kreuzeckbahn zweigt der Jägersteig nach links vom breiten Fahrweg ab. Nach ein paar Metern gehen wir unter dem Skilift durch und folgen nun dem Jägersteig ins Tal hinab. Unterwegs können wir an einer kleinen Quelle (zwischen Henneck und Rauhkopf) unsere Wasserflaschen wieder auffüllen. Erst die einbrechende Dunkelheit macht den Steig etwas schwieriger, da man im Schein der kleinen Lampen gerne einige Kleinigkeiten übersieht, die zu Stolperern führen können. So ist bis zum Ende der Jubiläumsgrattour nochmals volle Konzentration gefordert.

Um viertel vor neun erreichen wir die Hammersbacher Hütt´n und genehmigen uns nach einer phantastischen und erlebnisreichen Bergtour ein kühles alkoholfreies Weißbier - leeecker! Mit zwei anderen Bergsteigern teilen wir uns ein Taxi, dass uns wieder zurück zum Eibsee und dem Parkplatz an der Zugspitzbahn bringt. Die Füße brennen und schon jetzt macht sich der Muskelkater in den Oberschenkeln bemerkbar - aber es war super schön und mit der überschreitung des Jubiläumsgrat liegt ein unvergessliches Bergerlebnis hinter uns!

Der Jubiläumsgrat
Jubiläumsgrat

Höhenprofil
nur Jubiläumsgrat

Höhenprofil
Jubiläumsgrat komplett mit Abstieg bis Hammersbach


Charakter / Schwierigkeit: 
 - SCHWER - KEIN durchgehender Klettersteig
- nur wenige Stellen durch Stahlseile, Stifte oder Bügel entschärft
 - absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich 
- viele Stellen sehr ausgesetzt
- sehr gute Kondition Voraussetzung
- nur wer frühzeitig startet und zügig unterwegs ist, kann die Tour an einem Tag schaffen 
- absolute Vorsicht bei Schlechtwetter oder zweifelhaften Verhältnissen

Wer an der „steilen Rinne“ Probleme hat, sollte lieber wieder umkehren...
es folgen weitere anspruchsvollere Stellen, die es ungesichert zu klettern gilt.

Ausrüstung:
- komplette Bergtourenausrüstung (+ggf. KS-Handschuhe)
 - ggf. Klettersteig-Ausrüstung (KS-Set, Klettergurt, Helm, KS-Handschuhe)
- ausreichend Getränke/Wasser (3,5-4L p.P.), unterwegs keine Nachfüllmöglichkeit
- evtl. ein Seil, zus. HMS, Abseilachter

Beste Jahreszeit:
Juli - Oktober - wenn kein Schnee liegt ;-)

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