Rappenklammspitze und Wechselkopf

(1835 m / 1835 m) 11.09.2016
Wer die Rappenklammspitze (auch Rappenspitze) und den Wechselkopf besucht, der begibt sich auf eine stille Tour im Karwendelgebirge.
Der Gipfelanstig zur Rappenklammspitze erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie ein wenig Klettererfahrung (II) in brüchigem Fels. Der weitere Weg zum Wechselkopf setzt gutes Orientierungsvermögen voraus, da dieser größtenteils nicht markiert und schon gar nicht beschildert ist. Auch hier geht es teils ausgesetzt über die Wechselschneid.

Die Rappenklammspitze
Rappenklammspitze

Ausgangspunkt: 
Hinterriss im Rissbachtal
Parkplatz am Ortsanfang (ca. 930 m)
Bildergalerie

Routenverlauf:
Parkplatz - Rohntalalmen - Rappenklammspitze - Wechselschneid - Wechselkopf - Rohntalalmen - Parkplatz

ca. 6¼ Std.
Tourenbeschreibung

Ein Wegweiser zeigt uns den Weg rechts am Karwendel Besucherzentrum vorbei in Richtung Rohntal. Danach geht es kurz auf einem Pfad ansteigend hinauf auf die Forststraße. Nun folgt man dem Fahrweg taleinwärts gesehen auf der linken Seite des Rohntalbaches. Nach etwa 2 Km wird dieser kurz hinter dem Klausboden gequert und nicht viel später erreicht man die kleine Jagdhütte am Eingang des Rohntalbodens. Wir bleiben weiter auf dem Fahrweg, der uns flach zu der Rohntalalm bringt. Kurz vor der Alm zweigt man nach rechts ab und quert ein meist trockenes Bachbett. Danach etwas links haltend hinüber zu einer Jagdhütte und an selbiger vorbei dem Aufschwung entgegen. Zunächst führen an dieser stelle viel Pfade nach oben, die wohl meist durch das Weidevieh angelegt wurden. Später folgt man einfach dem meist gutem Bergpfad durch einen lichten Bergwald und später durch Latschen auf einen breiten Rücken. Hier hat man nun einen ersten Blick auf die Rappenklammspitze (sie wird auch "nur" Rappenspitze genannt. Weiter wandern wir etwas links des Rückens in die Latschen hinein und schlüpfen nach Süden durch diese hindurch zu einem Sattel südöstlich der Rappenklammspitze. Ab hier wird es nun spannender und schwieriger. Wir drehen nach Norden und folgen den nun steiler werdenden Pfad der immer schmaler werdenden Südflanke hinauf auf den Gipfel. Dabei wird das Geländer immer schwieriger und hier und da muss man auch die Hände zu Hilfe nehmen, hat es doch einige Ier und direkt am Grat auch bröselige IIer Stellen. Hier sollte man schon wissen, was man macht. Zum Schluss geht es noch kurz durch eine Rinne (wieder I) hinauf auf den Gipfel. Obwohl wir den zweiten Gipfel noch nicht erreicht haben, genehmigen wir uns auf einem kleinen Gipfel der Rappenklammspitze eine Brotzeit bei einer imposanten Gipfelschau mit östlicher Karwendelspitze, Wörner, der Soiernspitze auf der einen und Sonnjoch und Fleischbank auf der anderen Seite.
Nach der Pause steigen wir zunächst zurück in den Sattel und ab da wird es dann richtig abenteuerlich. Für den rechst um einen kleinen Kopf führenden Pfad braucht es schon etwas Wegefindungssinn, ist er doch stark zugewachsen. Wir schlüpften zwischen den Latschen hindurch, bis diese auf einen breiter werdenden Rücken etwas zurückweichen. Ab und an erkennt man auch noch Pfadspuren oder man stößt auf Grenzsteine welche die Landesgrenze markieren. Bis zur Wechselschneid ist es im allgemeinen eher unschwierig. Den Wechselkopf im Blick wandert man gegen Süden der Wechselschneid entgegen.
Dort erwartet uns dann eine stark erodierte und bröselige Stelle, die zunächst im Abstieg, wie im Aufstieg absolute Trittsicherheit in diesem Absturzgelände verlangt. Gut auf der gegenüberliegenden Seite angekommen halten wir uns leicht links und kämpfen uns sehr steil durch die Latschen hinauf. Es folgt wieder ein Stück erkennbaren Pfads, der uns zur nächsten schwierigeren Stelle führt. Nun entweder nach links über die nächste bröselige Wand schräg Aufwärts queren oder sich durch die Latschengassen einen Weg zum Wechselkopf suchen. Es ist fraglich, wie lange diese beiden stark erodierten Stellen noch machbar bleiben. Der Weg verliert sich vollständig, ein Problem ist es dennoch nicht den Weg auf den Gipfel zwischen den Latschengassen zu finden. Der Wechselkopf ist nur ein grüner Buckel und das das Wetter nicht den anschein hat weiterhin trocken zu bleiben, wandern wir nur über den Wechselkopf und gehen direkt den Abstieg in den Rohntalboden an.
Einen Weg oder Pfad können wir nicht wirklich ausmachen, doch wir wissen, es muss nach Süden in den Sattel vor der Steinkarlspitze gehen. So suchen wir uns einen Weg durch den steilen Südhang hinunter in den Sattel und finden tatsächlich einen Pfad. Aus dem Sattel heraus folgen wir einen stark verfallenem Pfad über Geröll unter der Steinkarlspitze recht mühsam bergab. Mal flach mal steil wandern wir so ein Stück um die Steinkarlspitze herum. Nach einem sehr steilen Schuttfeld (nette kurze Schuttabfahrt), kämpfen wir uns etwa 50 Hm im Schutt hinauf, queren dabei das Feld gegen die Latschen und suchen uns nun irgendwie den Weg hinunter (Evtl. ist es besser nicht aufzusteigen, sondern von dort wo es ausschaut, als ob der Weg wieder ansteigt den direkten Weg in den Rohntalboden zu suchen). Völlig weglos schlagen wir uns durch die Latschen in Richtung Norden zu einem Bachbett durch. Dabei helfen Wildpfade und Rinnen die kleine Lücken zwischen den Latschen lassen. Dort wo das Ganze Abenteuer flacher wird folgen wir kurz dem Bachbett und verlassen es alsbald nach links auf die mit Bäumen durchsetze Weide und treffen auf einen Weg, der uns zurück zur Rohntalalm bringt. Unterwegs vereint sich der Weg mit dem Steig von der Torscharte und kurz danach schließt sich der Kreis an der Rohntalalm.
Nun marschieren wir auf dem Aufstiegsweg zurück nach Hinterriss und dort endet eine echte Abenteuertour, wie man sie nicht alle Tage macht!

Blick auf die Rappenklammspitze auf dem Weg zum Wechselkopf
Absamer Klettersteig

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit:  
- bis vor den Schlussanstieg der Rappenklammspitze einfache bis mittelschwere Wanderung
danach, meist naturbelassener Steig 
-Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich
- Gipfelanstieg auch etwas Kletterei (I bis II) in brüchigem Fels 
- Orientierungssinn für den Weiterweg über die Wechselschneid zur Wechselkopf sowie den Abstieg

Ausrüstung: 
- Bergtourenausrüstung
- ausreichend Proviant und Getränke

Beste Jahreszeit:
Ende Mai bis zum ersten Schnee. 

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