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Sass Rigais

(2319 m) 07.09.2014
Eine kombinierte Berg- und Klettersteigtour bringt uns auf einen tollen Dreitausender in der Geislergruppe. Der Sass Rigais ist höchster Gipfel des mächtigen Geislermassivs und ist ein Wahrzeichen Südtirols. Mit seinen 3025 m ist er der Hauptgipfel der Geislergruppe.
Eine Rundtour führt uns über den Ostgrat zum Gipfel, im Abstieg über den Südwestgrat und durch eine wilde Felszsenerie mit phantastischer Aussicht auf die umliegenden Gebirgsgruppen.

Durch diese Schlucht geht es später vom Saas Rigais runter
Saas Rigais

 

Ausgangspunkt: 
Parkplatz an der Talstation der Seilbahn Col Raiser
in St. Christina im Grödental
(ca. 1.453 m, € 4,00 Parkgebühr p.T., Stand 2014)

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Routenverlauf: 
Bergstation - Alm Hotel Col Raiser - Plan Ciartier - Wasserrinnental - Salieresscharte - Saas Rigais - Pian Ciantier - Regensburger Hütte - Bergstation

ca. 6 Std.
Tourenbeschreibung

Bei nicht wirklich traumhaftem Wetter und sehr tief hängenden Wolken starten wir die heutige Tour per Seilbahn. Kurz vor halb zehn Uhr marschieren wir an der Bergstation (2.107 m) los und vorbei am Alm Hotel Col Raiser vorbei nach Norden. Nach etwa 10 Minuten geht es für uns nach rechts aufwärts in Richtung der Beschilderung "Sass Rigais-Rifugio Puez Hütte". Beim nächsten Abzweig halten wir uns erneut rechts, gehen weiter Richtung Pieralongialm und unter den Südabstürzen der Fermedatürme ostwärts in die Ebene des Pian Ciantier am Fuße des Sass Mesdi. Auf dem Weg dorthin beginnt es leicht zu nieseln und da es von Süden her etwas heller wurde, entscheiden wir uns zunächst ins Wasserrinnental einzusteigen, um dort zu entscheiden, ob wir weiter aufsteigen.
Nun geradeaus aufwärts in das Wasserrinnental und durch das breite etwas flachere Schotter Kar. Am Ende des Kars geht es in steilen bis sehr steilen Serpentinen in die Salieresscharte (2.696 m). Bei eisigem Wind und mitten in den Wolken (es nieselt nicht mehr) legen wir hier unsere Klettersteigaussrüstung an, gönnen uns eine sehr eilige Brotzeit und steigen danach zügig in den Klettersteig ein. Eine Person ist vor uns bereits in den Wolken verschwunden, eine weitere kommt uns gleich nach der ersten Klettersteigstelle von oben kommend entgegen. Er hatte sich den Steig einfacher vorgestellt. Nur gut das er so vernünftig ist und umkehrte.
Von der Salieresscharte über den schorfigen Ostrücken aufwärts, anschließend schräg in eine Felsrinne zu einer kurzen Wandstufe, die mit Hilfe von Steigklammern (B/C) überwunden wird. Abwechslungsreich aber leider ohne Aussicht kraxeln wir weiter über Felsbänder und kurzen Felsstufen (die schwierigen Stellen sind meist drahtseilversichert, B und A/B) auf den breiten Südostrücken. Ein sich im Fels auftuendes Loch wird mit einem Spreizschritt überwunden (B/C), hier sind die mit den langen Beinen klar im Vorteil. Danach endet das Drahtseil vor einer Rinne, die in leichter Kraxelei durchstiegen wird. Bei vorhandenen Schneeresten ist Vorsicht geboten, können sie einem das Leben hier deutlich erschweren.
Nach der Rinne folgt eine weitere Klettersteigpassage (A/B), die uns zum Schluss über eine Felsstufe führt. Im anschließenden Gehgelände sagt uns unser Gefühl, dass wir den Gipfel bald erreicht haben müssten. Die immer dichter werdenden Wolken lassen uns gerade mal 10-30 Meter Sicht. Dann folgt wieder eine Drahtseilsicherung (A/B) und wir erspähen zum ersten Mal das Gipfelkreuz, wie es sich schwach im Nebel abzeichnet.
Um 12:10 Uhr erreichen wir dass metallenen Gipfelkreuz auf dem 3025 m hohen Sass Rigais. Die Aussicht ist gleich 0, dennoch gibt´s jetzt eine verdiente Brotzeit und wenigstens ein paar Minuten Ruhe für die Knochen, bevor es an den Abstieg geht. Eigentlich hat man von hier einen tollen Blick auf die benachbarte Furchetta, die Puezspitzen, Sellagruppe, Langkofel, Schlern und zu den nördlichen Nachbarn Aferer Geisler und Peitlerkofel, doch die uns immer noch umgebenden Wolken wissen dies zu verhindern.
Die Pause wehrt nicht lange, keine Aussicht, es ist kalt und ungemütlich also starten wir zügig den Abstieg nach Westen und folgen dem Klettersteig durch die Südwestwand. Dazu steigen wir zunächst über den schmalen und luftigen Grat entlang der Drahtseilsicherung einige Meter hinab. Nach einer kurzen Unterbrechung der Seilsicherung folgt der Klettersteig im Zickzack dem Grat hinunter. Bald wechselt der Klettersteig vom Grat in die Wand. Nach mehreren gesicherten Felsstufen und kleineren Querungen endet der Klettersteig vorerst. Ein Quergang bringt uns eine knappe Stunde nach Verlassen des Gipfels zu einem Abzweig. Hier gelangt man nach rechts zur Mittagsscharte. Wir biegen allerdings links ab und wandern in Serpentinen in eine Rinne hinunter. Viel Schutt und Geröll liegt umher und macht Aufmerksames gehen definitiv notwendig. Dann erreichen wir eine Schlucht, deren Innenleben einer Mondlandschaft gleicht. Über Serpentinen abwärts und kurz darauf über plattige Felsen und mehrere Holzstege hinab in die Schlucht die von der Mittagsscharte herabzieht. In weiteren unzähligen Serpentinen steil hinab zum Pian Ciantier.
Hier nun einfach weiter geradeaus abwärts zur Regensburger Hütte und später mit einem kurzen Gegenanstieg zurück zur Bergstation - etwa 100 zusätzliche Höhenmeter. Alternativ nimmt man den Aufstiegsweg für den Rückmarsch und spart sich so ein paar weitere Höhenmeter, zeitlich in etwas gleich.
Insgesamt eine super tolle Tour, nur schaden, dass wir so schlechte Sicht hatten.

 
Panoramablick von der Bergstation Col Raiser auf die Geislergruppe

Geislergruppe

zum Höhenprofil

Charakter / Schwierigkeit: 
 - mittelschwere Bergtour
- Klettersteig B/C
- absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
- ohne Seilbahnunterstützung verlängert sich die Gehzeit um gute 2½-Stunden.

Ausrüstung:
- komplette Klettersteigausrüstung
- Teleskopstöcke
- ausreichend Proviant und Getränke

Beste Jahreszeit:
Anfang Juni bis Ende September,
je nach dem wie die Schneeverhältnisse sind.

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